Deutsche Bauindustrie: Das Ende des Baubooms ist in Sicht

Die Bauindustrie ist eine der treibenden Motoren für die deutsche Konjunktur. Doch schon länger ist diese am wanken. Die Gründe dafür sind ganz unterschiedlich, doch leider überwiegend strukturell bedingt, wie der Mangel an bebaubarer Fläche oder qualifizierten Handwerkern beweist.

Wie sieht die aktuelle Lage in  Deutschland aus?

Volle Auftragsbücher beleben nicht nur das Geschäft, sondern auch die Konjunktur in Deutschland insgesamt. Die umsatzstarke Bauwirtschaft gehört zu einem der bedeutendsten Konjunktur-Antreiber. Insbesondere der Wohnungsneubau trägt mit Wachstumsraten von jährlich bis zu zehn Prozent zu einer guten wirtschaftlichen Lage bei. Jedes Jahr erstellt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) eine Studie über die Prognose des Bauvolumens für das Bundesbauministerium und das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung. Die Prognose für dieses Jahr ist gestern veröffentlicht worden. Während die Ergebnisse der letzten Studien positiv waren und weiteren Aufschwung in der Baubranche vorhergesagt haben, neigt sich diese glorreiche Ära bald dem Ende zu. Doch die Gründe liegen nicht etwa in einem Rückgang der Aufträge, nein. Vielmehr sind es strukturelle Probleme die die Bauwirtschaft langfristig lahmlegen.

Fachpersonal in der Bauindustrie fehlt

Elektriker, Handwerker oder Heizungsinstallateure – die weiterhin steigende Nachfrage nach qualifiziertem Fachpersonal hat sich nun auch in der Bauindustrie bemerkbar gemacht. Das merkt man unter anderem daran, dass sich die Wartezeiten für ebenjene gefragten Handwerker innerhalb des letzten Jahres enorm verlängert haben. Und mal wieder sind es die Städte und Ballungszentren in denen der Nachfrageüberschuss besonders deutlich zu spüren ist. Es ist keine Seltenheit, dass Personen mehrere Wochen auf den Beginn ihres Bauprojektes warten müssen, da keine adäquaten Spezialisten zur Verfügung stehen. Begleitet werden diese unangenehmen Umstände dann auch noch von höheren Preisen für die angebotenen Leistungen. Eine Besserung ist vorerst nicht in Sicht. Denn das Problem ist längst kein deutsches mehr: In weiten Teilen Europas fehlt ebenso der Nachwuchs für das Bauen. Neues Personal einzustellen ist zu einer strategischen Herausforderung für viele Betriebe geworden. „Konnten in den vergangenen Jahren fehlende Arbeitskräfte relativ problemlos aus der Europäischen Union rekrutiert werden, dürfte dies zunehmend schwerer fallen“, heißt es daher in der Studie des DIW.

Steigende Preise auf dem deutschen und internationalen Markt

Laut dem DIW-Report sind die Preise für Baumaterial, Rohstoffe und Dienstleistungen in 2017 wegen der hohen Nachfrage um gut drei Prozent gestiegen. Der Trend dürfte sich auch in 2018 und sogar 2019 fortsetzen. Somit könnte es zu einer Preissteigerung von neun Prozent in nur drei Jahren kommen. Diese Entwicklung ist mit Sorge zu betrachten. Negativen Einfluss auf diese Entwicklung haben außerdem die international steigenden Rohstoff- und Energiepreise. Sie könnten den Effekt der stetig steigenden Preise nur noch verschlimmern.

Das bebaubare Land wird knapp

Dieses Jahr könnte es passieren: Die genehmigten Wohnungsneubauten erfahren zum ersten Mal seit dem Jahr 2008 einen Rückgang. Das lässt das Statistische Bundesamt verlauten. Mögliche Erklärungsansätze sind in den wieder steigenden Zinsen zu suchen. Außerdem wird das in Deutschland bebaubare Land zunehmend knapper. Steigende Preise für Grundstücke sind die Folge. Die DIW-Experten prognostizieren, dass dies Investoren zusätzlich abschreckt. Weniger Eigenheimbauprojekte werden geplant. Unterm Strich werden Investitionen für den Wohnungsneubau 2018 um knapp fünf Prozent und 2019 um nur noch knapp ein Prozent zulegen. In den Vorjahren lagen Wachstumsraten bei teilweise mehr als zehn Prozent.

Deutsche Handwerker – Der Nachwuchs fehlt

Was muss getan werden? Lösungsansätze

Die Nachfrage nach (bezahlbarem) Wohnraum in Deutschland steigt weiterhin drastisch, das Angebot kann aber nicht ohne weiteres an den bestehenden Überschuss angepasst werden. Wie kann dieses Dilemma also gelöst werden?

Der Deutsche Mieterverbund spricht sich für steuerliche Vorteile für Neubau-Investoren und eine Mietpreisobergrenze aus. Der Präsident des GdW-Bundesverbands der Wohnungswirtschaft, Axel Gedaschko, sagt: „Die sinkenden Baugenehmigungszahlen sind ein Alarmsignal. Der Abwärtstrend beim Wohnungsbau kann nur gestoppt werden, wenn zügig wirksame steuerliche Anreize gesetzt werden.“

Doch genau von solchen finanziellen Lock- und Fördermitteln raten Vertreter des DIW ab. Ihrer Meinung nach führe dies nur zu noch höheren Preisen seitens der Baufirmen und Immobilienverkäufern. Daher spricht sich das Institut für Maßnahmen wie das Aufstocken von Gebäuden, das Bauen in „zweiter Reihe“ oder das Schließen von Baulücken aus. „Mit einer Investitionszulage für die Nachverdichtung könnte die Politik zusätzliche Investoren aktivieren“, sagt DIW-Forscher Michelsen.