Schimmel

Schimmel in der Wohnung: Ursachen, Gefahren, Gerichtsurteile

Gerade im kalten Winter entdecken Mieter und Eigentümer besonders oft Schimmel in ihrer Wohnung. Schnell stellt sich dann die Frage: Wer ist schuld am Schimmelbefall? Gerichte entschieden in der Vergangenheit oft sehr unterschiedlich. Diese Fakten sollten Sie daher unbedingt kennen:

Mieter oder Vermieter? Wer für Schimmel verantwortlich ist

Werden in einer Wohnung Schimmelpilze entdeckt, ist das Urteil meist schnell gefällt: Der Mieter hat nicht richtig gelüftet oder zu wenig geheizt. Doch so einfach ist es nicht, denn auch die Bausubstanz oder eine schlechte Dämmung, Risse in der Fassade oder Lecks in Wasserleitungen können zu Feuchtigkeit und Schimmel führen. Meist ist die Ursache für den Schimmel für Laien nur schwer zu ergründen. Oft geht der sichere Weg nur über einen Fachmann und ein entsprechendes Gutachten.

Gerade weil sich die Gründe für den Schimmelbefall nicht so einfach feststellen lassen, sollten Mieter nicht unbedingt sofort die Miete mindern. Auch die Höhe der Minderung ist schwer festzulegen. In jedem Fall sollten Mieter die Minderungen einstellen, sobald sie den Wert von einer Monatsmiete übersteigt. Experten raten, den Vermieter unverzüglich schriftlich über den Schimmelbefall in Kenntnis zu setzen und in dem Schreiben zu vermerken, dass kommende Mietleistungen bis zur Beseitigung der Sache nur unter Vorbehalt gezahlt werden.

Denn nach einem Urteil des Bundesgerichtshofes aus dem Jahr 2012 können Vermieter die fristlose Kündigung aussprechen, wenn Mieter wegen Schimmelbefalls die Miete gemindert haben, obwohl sie diesen selbst verursacht haben (BGH, Az. VIII ZR 138/11). Sollten Vermieter auf die Bitte um Beseitigung des Schimmels nicht binnen 14 Tagen reagieren, raten Mietervereine und Fachanwälte zur Klage. Dann klären Gerichte, wer für den Schimmel verantwortlich ist und ihn beseitigen muss. Auch etwaige Mietminderungen kann das Gericht dann festsetzen. Außerdem kann der Mieter sich – sofern der Vermieter für den Schimmelschaden haftet – die Miete aus der Zeit des Schimmelbefalls anteilig zurückholen, wenn er diese vorher unter Vorbehalt gezahlt hat.

Streit um Schimmel: Klärung ist auch ohne Gericht möglich

Wer den Weg zum Gericht scheut, kann auch ein Gutachten in Auftrag geben. Vermieter und Mieter sollten sich vorher allerdings darüber einig sein, wer den Gutachter bezahlt. Es besteht natürlich generell die Möglichkeit, sich die Kosten zu teilen. Oft wird aber auch vereinbart, dass derjenige die Kosten trägt, der für den Schimmel verantwortlich zeichnet. Die Kosten eines solchen Gutachtens variieren je nach Aufwand erheblich und sollten im Einzelfall erfragt werden. Wer sich nicht auf einen Gutachter einigen kann, kann bei Gericht ein selbstständiges Beweisverfahren beantragen und vom Gericht einen Sachverständigen aussuchen lassen.

Schimmel selbst beseitigen: Vorsicht ist geboten

Ob die Verantwortlichkeit für den Schimmelbefall nun beim Mieter oder Vermieter liegt, eins gilt in jedem Fall: Der Schimmel – und sei er noch so kleinflächig – muss beseitigt werden. Schnelles Handeln ist ebenfalls gefragt, denn ist der Schimmel einmal da, geht er nicht von allein wieder weg. Wer zu lange wartet, riskiert erhebliche Schäden.

Bei der Entfernung von Schimmel gilt es, einiges zu beachten. Nicht alle, aber doch viele Schimmelpilzarten sind gesundheitsgefährdend und können Organe schädigen, Schleimhäute reizen oder Allergien auslösen. Die Sporen der Schimmelpilze verteilen sich in der Luft. Wo sie auf Feuchtigkeit stoßen, können sie sich zu neuen Pilzgeflechten entwickeln. Wer Schimmel selbst beseitigen will, sollte daher unbedingt Haut und Atemwege schützen. Handschuhe und Mundschutz können schützen.

Oberflächlichen Schimmel, der sich nur auf kleinen Arealen befindet, kann man mit Brennspiritus beseitigen. In Fugen sollte mit Schimmel befallenes Silikon entfernt und erneuert werden. Auch bei unbehandeltem Holz ist Vorsicht geboten und im Zweifel ein Fachmann zu konsultieren. Chemische Pilzbekämpfungsmittel sind mit Vorsicht zu genießen, denn auch sie können gesundheitsgefährdend sein. Die Arbeit mit solchen Mitteln sollte man dem Fachmann überlassen. Auch bei größerem Befall empfiehlt es sich, einen Experten zu beauftragen, der sich auskennt und genau prüfen kann, wie tief der Schimmel sitzt.

    Vorsicht! Wenn Sie unter gesundheitlichen Beschwerden leiden, die auf Schimmel zurückzuführen sein könnten, sollten Sie unbedingt einen Arzt aufsuchen.

Schimmel vermeiden: Hilfreiche Tipps und Tricks

Gründliches Stoßlüften ist das A und O, um Schimmelbefall zu vermeiden. Denn ist die Wohnung zu feucht, steigt die Gefahr eines Befalls. Auch sollte man die Wohnung im Winter nicht zu sehr auskühlen lassen. Oft riecht man den Schimmel bereits, bevor man ihn sieht. Modrigem Geruch sollten Sie also in jedem Fall auf die Spur gehen. Um die Luftfeuchtigkeit im Raum zu kontrollieren, kann man auf ein Hygrometer zurückgreifen, die es meist schon für wenig Geld zu kaufen gibt. Mehr als 60 Prozent Luftfeuchtigkeit sollte ein Raum nicht haben, denn dauerhaft besteht so Schimmelgefahr. So lüften Sie richtig:

  • Wer im Schlafzimmer die Fenster nicht dauerhaft geöffnet haben möchte, sollte zumindest nach dem Aufstehen ausgiebig mit weit geöffnetem Fenster lüften.
  • Auch im Wohnzimmer muss regelmäßig gelüftet werden, vor allem dann, wenn sich viele Pflanzen in dem Zimmer befinden. Auch andere Feuchtigkeitsquellen wie zum Beispiel trocknende Wäsche erfordern langes Lüften.
  • Besonders schimmelanfällig ist das Bad: Nach dem Duschen oder Baden das Wasser von Wänden und Boden entfernen und direkt lange Lüften. Das gilt auch in der Küche nach dem Kochen.
  • Auch der Keller ist ein Spezialfall: Im Sommer diesen besser nachts oder in den frühen Morgenstunden und nicht tagsüber lüften. Im Winter ist regelmäßiges Lüften ebenso wichtig, wann diese erfolgt ist dann nebensächlich.

In Wohn- und Schlafräumen empfiehlt es sich, für Durchzug zu sorgen. Das verstärkt den Luftaustausch. In Bädern und Küchen sollten die Türen beim Lüften hingegen eher geschlossen sein. Ausnahme sind Bäder ohne Fenster, hier sollte nachdem Duschen oder Baden sogar geöffnet bleiben, damit die Feuchtigkeit sich hier nicht staut. Nach einer Sanierung sollte das Lüftungsverhalten überprüft und unter Umständen angepasst werden. Dichtere Fenster können zum Beispiel ein häufigeres Lüften notwendig machen.