Ölheizung austauschen
Besteht eine Pflicht ab 2024, oder gibt es Ausnahmen?

In Deutschland versorgen rund 5,6 Millionen Ölheizungen knapp elf Millionen Haushalte mit Raumwärme und Warmwasser und das offenbar zur Zufriedenheit ihrer Bewohner. Knapp 93 Prozent der Besitzer von Ölheizungen sind sehr zufrieden oder zufrieden mit ihrem Heizsystem. Das ergibt eine repräsentative Umfrage des Nürnberger Marktforschungsinstituts GfK unter 1041 Besitzern von Ölheizungen. Die Umfrage wurde im Auftrag des Instituts für Wärme und Oeltechnik (IWO) Mitte November 2014 durchgeführt.

Muss eine Ölheizung ausgetauscht werden?

Ob Sie Ihre Ölheizung austauschen müssen, hängt von vielen Faktoren ab. Grundsätzlich sieht der Gesetzgeber in einer Ölheizung ein Heizsystem, welches nicht den modernen Anforderungen entspricht und keinen wesentlichen Beitrag zum Umweltschutz leistet. Es gibt jedoch, wie in jeder gesetzlichen Vorschrift, Ausnahmen, die im aktuellen Gebäudeenergiegesetz festgehalten sind.

Die Austauschpflicht ist abhängig vom Alter, der Heizung an sich und ihrer Effizienz. Laut §72 GEG müssen Heizkessel, die vor dem 1. Januar 1991 eingebaut wurden, außer Betrieb genommen werden. Heizkessel, die nach diesem Datum eingebaut wurden, müssen spätestens 30 Jahre nach ihrem Einbau ausgetauscht werden.

Gibt es Ausnahmen für den Austausch von Heizkesseln?

Die Ausnahmen werden im §72 (2) Absatz 1 zusammengefasst. Demnach gilt die Austauschpflicht nicht für:

  • Heizkessel, die ausschließlich zur Warmwasserbereitung genutzt werden.
  • Heizkessel in Ein-und Zweifamilienhäusern, wenn der Eigentümer am 1.februar 2002 selbst eine Wohnung in dem Gebäude bewohnt hat und diese Wohnung weiterhin bewohnt. Dies bietet einen gewissen Bestandsschutz für langjährige Hausbesitzer.
  • Niedertemperatur-Heizkessel und Brennwertkessel, da sie effizienter sind als ältere Standardkessel.

Der Einbau eines neuen Heizkessels könnte jedoch zu erheblichen Nachteilen führen. So hat das Brennstoffemissionshandelsgesetzes (BEHG) beschlossen, dass die CO² Steuer stufenweise erhöht wird. Ab 2021 wurde ein CO₂-Preis von 25 Euro pro Tonne eingeführt, der bis 2025 auf bis zu 55 Euro pro Tonne ansteigen soll, wodurch sich die Betriebskosten erhöhen.

Das Alter Ihres Heizkessels können Sie u.a. auf dem Typenschild am Heizkessel finden. Eine weitere Möglichkeit wäre die Bedienungsanleitung oder der Wartungsaufkleber. Fallen alle Möglichkeiten weg, sollten Sie den Hersteller anrufen, dieser wird anhand der Seriennummer erkennen, wie alt der Heizkessel ist.

Kann ich eine neue Ölheizung einbauen?

Nach dem GEG ist der Einbau neuer Ölheizungen ab dem 1. Januar 2026 stark eingeschränkt. Dies gilt besonders für Neubauten. Die Nutzung von Ölheizungen ist jedoch weiterhin erlaubt, wenn sie in Kombination mit erneuerbaren Energien genutzt werden. Relevant ist hier §71 GEG (1): “Ab dem 1. Januar 2026 dürfen in Gebäuden keine Heizkessel, die mit flüssigen oder gasförmigen fossilen Brennstoffen beschickt werden, eingebaut oder aufgestellt werden.”

Gibt es Ausnahmen für den Einbau einer Ölheizung?

Auch im Falle eines Einbaus einer Ölheizung gibt es Ausnahmen. Absatz 1 gilt nicht für:

  • Wenn das Gebäude, in das der Heizkessel eingebaut werden soll, zu 65% aus erneuerbaren Energien versorgt wird. Dies könnte eine Kombination aus Photovoltaik, Wärmepumpe, Biomasseheizung und weiteren erneuerbaren Energiequellen sein.
  • Wenn der Heizkessel Teil eines Hybridsystems ist, welches erneuerbare Energien nutzt. Dies könnte zum Beispiel eine Kombination aus Ölheizung und Solarthermie sein.

Es gibt einige Aspekte, die gegen den Einbau einer neuen Ölheizung sprechen. In den kommenden Jahren wird sich die CO² stufenweise erhöhen. Im Gegenzug werden Steuern für erneuerbare Energien und energetische Sanierungen günstiger. Auf diese Weise soll der Einbau einer Ölheizung weniger attraktiv machen.

Sind Sie interessiert an einer Photovoltaik Anlage?

Kostenlos

Sind Sie interessiert an einer Photovoltaik Anlage?

Unsere Experten beraten Sie zum Thema Planung, Installation und Kauf einer Solar-Anlage

Kostenlose Photovoltaik Beratung

Gründe, die für einen Austausch meiner Ölheizung sprechen?

Finanzielle Nachteile durch die Erhöhung der CO² Steuer wurden schon erwähnt. Es gibt allerdings noch weitere Gründe, die für den Austausch einer Ölheizung sprechen.

  • Moderne Heizsysteme wie Brennwertkessel oder Wärmepumpen sind wesentlich effizienter als alte Ölheizungen. Sie nutzen die eingesetzte Energie besser aus, was zu niedrigeren Heizkosten führt. Durch die Erstarkung der erneuerbaren Energien setzen Hersteller auf moderne Heizsysteme und stecken mehr Geld in ihre Entwicklung.
  • Moderne Heizsysteme sind schlichtweg besser für die Umwelt. Auf diese Weise können Sie Ihren eigenen CO² Fußabdruck reduzieren und einen Beitrag leisten.
  • Moderne Heizsysteme bieten in der Regel eine bessere Regelbarkeit und somit einen höheren Wohnkomfort. Systeme wie Fußbodenheizungen, die oft mit Wärmepumpen kombiniert werden, sorgen für eine gleichmäßige Wärmeverteilung.
  • Durch den Einbau erneuerbarer Energien und einer energetischen Sanierung steigern Sie den Wert Ihrer Immobilie. Sollten Sie irgendwann Ihre Immobilie verkaufen, wird sie für Käufer attraktiver sein.

Erneuerbare Energien lassen den Wert Ihrer Immobilie steigen. Machen Sie mit HAUSGOLD eine kostenlose Immobilienbewertung.

Kostenlose Immobilienbewertung

Gibt es nach 2026 noch Reparaturmöglichkeiten für eine Ölheizung?

Das GEG bezieht sich explizit auf den Einbau und das Austauschen von Ölheizungen, nicht auf die Nutzung. Daher ist sowohl die Reparatur als auch die Wartung von Heizkesseln nach 2026 möglich. Auch Ersatzteile werden in naher Zukunft noch erhältlich sein, da der allgemeine Austausch von Ölheizung nicht von einem auf den anderen Tag geschehen wird.

Allerdings stellen auch Hersteller und Installateure auf erneuerbare Energien um, sodass die Bepreisung in Zukunft steigen kann. Langfristig sollten Sie demnach über einen Austausch hin zu einem modernen Heizsystem nachdenken.

Was sind die Alternativen zu einer Ölheizung?

Es gibt einige moderne Heizsysteme, gegen die eine Ölheizung ausgetauscht werden kann:

Es gibt jedoch einige Systeme, die sich besonders gut eignen, wenn man vorher eine Ölheizung hatte, wenn z.B. alte Techniken und Infrastrukturen genutzt werden sollten.

Gasbrennwertheizung

Die Gasbrennwertheizung verfügt über eine ähnliche Technik und Infrastruktur, da sie eine ähnliche Verteiltechnik hat. Auf diese Weise können vorhandene Heizkörper und Rohrleitungen weiter genutzt werden. Wenn ein Gasanschluss vorhanden ist, bzw. einer leicht eingesetzt werden kann, ist auch der Austausch relativ unkompliziert. Eine gute Wahl, wenn Sie möglichst viel der bestehenden Infrastruktur weiterverwenden möchten und eine effiziente, unkomplizierte Umstellung suchen.

Hybridheizung

Eine Hybridheizung kann aus einer bestehenden Ölheizung und z.B. einer Wärmepumpe oder Solarthermie bestehen. Auf diese Weise könnte z.B. die Ölheizung als Spitzenlastkessel genutzt werden, während die Wärmepumpe die Grundlast abdeckt. Auf diese Weise müssen bestehende Techniken und Infrastrukturen nicht komplett ausgetauscht werden. Besonders geeignet, wenn Sie die Vorteile erneuerbarer Energien nutzen möchten, aber auch die bestehende Ölheizungsinfrastruktur teilweise beibehalten wollen.

Wärmepumpe

Wärmepumpen sind grundsätzlich eine gute Lösung als modernes Heizsystem. Sie sind sehr effizient und nutzen die Umweltenergie. Allerdings ist in den meisen Fällen die Anpassung am Heizsystem notwendig, da Wärmepumpen am effizientesten mit Niedertemperatursystemen wie Fußbodenheizungen arbeiten. Bestehende Heizkörper können oft weiterverwendet werden, müssen aber möglicherweise angepasst werden. Es müssen höhere Investitionskosten in Kauf genommen werden, diese werden allerdings durch langfristig niedrige Betriebskosten ausgeglichen. Eine zukunftssichere und sehr effiziente Lösung, die jedoch möglicherweise größere Anpassungen am bestehenden Heizsystem erfordert.

Sollten Sie sich für weitere Heizsysteme interessieren, empfehlen wir Ihnen den Artikel “Heizungsarten

Was kostet der Austausch einer Ölheizung?

Die Kosten für den Austausch einer Ölheizung hängen davon ab, für welches neues Heizsystem Sie sich entscheiden. Bei der Berechnung sollten Sie immer die Investitionskosten, aber auch die langfristigen Einsparungen und die jeweiligen Fördermittel im Blick behalten. Wir stellen Ihnen die obigen Drei Varianten detailliert vor und geben Ihnen in einer Tabelle einen Überblick über weitere Heizsysteme.

Gasbrennwertkessel

Investitionskosten:

  • Anschaffungskosten: 5.000 bis 7.000 Euro
  • Installation: 2.000 bis 3.500 Euro
  • Gesamtkosten: 7.000 bis 10.500 Euro
  • Zusätzliche Kosten für Gasanschluss: 1.500 bis 3.000 Euro (falls nicht vorhanden)

Langfristige Kostenersparnis:

  • Geringere Betriebskosten im Vergleich zu Ölheizungen, da Gas in der Regel günstiger und die Brennwerttechnik effizienter ist.
  • Wartungskosten sind moderat.

Fördermittelhöhe:

  • BAFA-Zuschüsse: Bis zu 20% der Investitionskosten.
  • KfW-Zuschüsse: Bis zu 15% der Investitionskosten (im Rahmen von "Energieeffizient Sanieren").

Hybridheizung Ölheizung mit Solarthermie:

Investitionskosten:

  • Anschaffungskosten: 3.000 bis 6.000 Euro
  • Installation: 2.000 bis 4.000 Euro
  • Gesamtkosten: 5.000 bis 10.000 Euro
  • Integration mit anderen Heizsystemen: 1.000 bis 2.000 Euro zusätzlich

Langfristige Kostenersparnis:

  • Sehr niedrige Betriebskosten, da die Sonne als Energiequelle kostenlos ist.
  • Wartungskosten sind gering.
  • Reduziert den Verbrauch anderer Energieträger.

Fördermittelhöhe:

  • BAFA-Zuschüsse: Bis zu 30% der Investitionskosten.
  • KfW-Zuschüsse: Bis zu 25% der Investitionskosten.

Wärmepumpe (Luft-Wasser-Wärmepumpe)

Investitionskosten:

  • Anschaffungskosten: 8.000 bis 12.000 Euro
  • Installation: 3.000 bis 5.000 Euro
  • Gesamtkosten: 11.000 bis 17.000 Euro

Langfristige Kostenersparnis:

  • Sehr niedrige Betriebskosten, besonders bei Nutzung von eigenem PV-Strom.
  • Wartungskosten sind gering.
  • Hohe Energieeffizienz (COP von 3 bis 5), was zu erheblichen Einsparungen führt.

Fördermittelhöhe:

  • BAFA-Zuschüsse: Bis zu 35% der Investitionskosten.
  • KfW-Zuschüsse: Bis zu 30% der Investitionskosten.

Tabelle: Vergleich der Kosten für den Austausch einer Ölheizung

| Heizsystem | Investitionskosten (inkl. Installation) | Langfristige Kostenersparnis | Fördermittelhöhe (BAFA + KfW) | | ---------- | ---------- | ---------- | ---------- | | Gasbrennwertheizung | 7.000 bis 10.500 Euro | Moderat | Bis zu 20% (BAFA), bis zu 15% (KfW) | | Luft-Wasser-Wärmepumpe | 11.000 bis 17.000 Euro | Hoch (niedrige Betriebskosten) | Bis zu 35% (BAFA), bis zu 30% (KfW) | | Erdwärmepumpe (Sole-Wasser) | 15.000 bis 25.000 Euro | Hoch (niedrige Betriebskosten) | Bis zu 35% (BAFA), bis zu 30% (KfW) | | Pelletheizung | 13.000 bis 20.000 Euro | Moderat | Bis zu 45% (BAFA), bis zu 30% (KfW) | | Solarthermie (Ergänzung) | 5.000 bis 10.000 Euro | Hoch (sehr niedrige Betriebskosten) | Bis zu 30% (BAFA), bis zu 25% (KfW) | | Hybridheizung | 13.000 bis 26.000 Euro | Hoch (flexible Energienutzung) | Bis zu 35% (BAFA), bis zu 30% (KfW) |

Förderungen für den Austausch einer Ölheizung

Auch die Auswahl der Förderung hängt davon ab, für welches Heizsystem Sie sich entscheiden. Die Bafa bietet im Zusammenhang mit der Bundesföderung für effiziente Gebäude verschiedene Zuschüsse an, die über die KfW beantragt werden können:

Die Kreditanstalt für Wiederaufbau bietet zusätzlich Kredit und Zuschüsse für energetische Sanierungsmaßnahmen, einschließlich des Austauschs von Heizsystemen an.

Neben den bundesweiten Zuschüssen gibt es lokale und regionale Förderungen. Informieren Sie sich bei der zuständigen Behörde Ihres Bundeslandes oder Landkreises.

Ölheizung austauschen beim Hauskauf - was kommt auf mich zu?

Angenommen Sie kaufen ein unsaniertes Haus, mit veraltetem Heizsystem, wie einer Ölheizung, kommen Verpflichtungen auf Sie zu. Denn das GEG sieht vor, dass bestimmte energetische Sanierungsmaßnahmen verpflichtet sind, wenn ein Eigentümerwechsel stattfindet. Dies betrifft vor allem die Erneuerung veralteter Heizkessel, die Dämmung von obersten Geschossdecken und ungedämmte Heizungs- und Warmwasserrohre.

Haben Sie ein Haus gekauft, welches über einen veralteten Heizkessel verfügt, welcher vor 1991 installiert wurde, haben Sie zwei Jahre Zeit, diesen auszutauschen. Wurde der Heizkessel nach 1991 installiert, gilt die 30-jährige Nutzungsdauer. Ausnahmen und Regeln sind dieselben, wie für Eigentümer ohne Eigentümerwechsel.

Folgendes könnte Sie auch interessieren:

Förderung für Photovoltaikanlagen

Alle Förderprogramme Rund um Photovoltaikanlagen auf einen Blick

Seit Juni 2019
Kostenlose Telefonberatung

040 - 22 61 61 40

Sicherheit garantiert
Seit Juni 2019
1
FAZ Online, „Viele Kunden könnten zurückkommen“, 17.02.2022, Stand: 19.10.2023
FOCUS online, “Experte erklärt - Wohnimmobilien und Corona: Warum Immobilienbesitzer aufatmen können”, 25.05.2023, Stand: 19.10.2023
WELT Online, “Die Luxus-Wette ist verloren – jetzt beginnt das Zittern der Spekulanten”, 05.09.2022, Stand: 19.10.2023
ZEIT ONLINE, “Unsanierte Immobilien: Das Haus besser saniert verkaufen”, 29.06.23, Stand: 19.10.2023

Copyright 2024 - HAUSGOLD | talocasa GmbH | An der Alster 45 | 20099 Hamburg