Deutsche Bauindustrie 2020
Das Ende des Baubooms ist in Sicht

Die Bauindustrie ist eine der treibenden Motoren für die deutsche Konjunktur. Doch schon länger ist diese am Schwanken. Die Gründe dafür sind ganz unterschiedlich, doch leider überwiegend strukturell bedingt, wie der Mangel an bebaubarer Fläche oder qualifizierten Handwerkern beweist. Erfahren Sie hier alles Wichtige über die aktuelle Situation der Bauindustrie!

Wie sieht die aktuelle Lage in Deutschland aus?

Volle Auftragsbücher beleben nicht nur das Geschäft, sondern auch die Konjunktur in Deutschland insgesamt. Die umsatzstarke Bauwirtschaft gehört zu einem der bedeutendsten Konjunktur-Antreiber. Insbesondere der Wohnungsneubau trägt mit Wachstumsraten von jährlich bis zu zehn Prozent zu einer guten wirtschaftlichen Lage bei.

Jedes Jahr veröffentlicht das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) eine Studie über die Prognose des Bauvolumens für das Bundesbauministerium und das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung.

Während die Ergebnisse der letzten Studien positiv waren und weiteren Aufschwung in der Baubranche vorhergesagt haben, neigt sich diese glorreiche Ära bald dem Ende zu. Doch die Gründe liegen nicht etwa in einem Rückgang der Aufträge. Vielmehr sind es strukturelle Probleme, die die Bauwirtschaft langfristig lahmlegen.

Fehlt in der Bauindustrie Fachpersonal?

Elektriker, Handwerker oder Heizungsinstallateure – die weiterhin steigende Nachfrage nach qualifiziertem Fachpersonal hat sich nun auch in der Bauindustrie bemerkbar gemacht. Das wird zum Beispiel daran deutlich, dass sich die Wartezeiten für ebenjene gefragten Handwerker innerhalb des letzten Jahres enorm verlängert haben. Und mal wieder sind es die Städte und Ballungszentren, in denen der Nachfrageüberschuss besonders deutlich zu spüren ist.

Nicht selten hat dies damit zutun, dass diese Regionen sehr begehrt für den Bau und Verkauf neuer Immobilien sind. Eine Immobilie zu verkaufen, ist jedoch keine leichte Aufgabe. Unsere Makler-Experten verhelfen Ihnen dabei, Ihre Immobilie erfolgreich zu vermitteln.

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Es ist also keine Seltenheit, dass Personen mehrere Wochen auf den Beginn ihres Bauprojektes warten müssen, da keine adäquaten Spezialisten zur Verfügung stehen. Begleitet werden diese unangenehmen Umstände von höheren Preisen für die angebotenen Leistungen. Eine Besserung ist vorerst nicht in Sicht.

Denn das Problem ist längst kein deutschlandweites mehr: In weiten Teilen Europas fehlt ebenso der Nachwuchs für das Bauen. Neues Personal einzustellen, ist zu einer strategischen Herausforderung für viele Betriebe geworden. "Konnten in den vergangenen Jahren fehlende Arbeitskräfte relativ problemlos aus der Europäischen Union rekrutiert werden, dürfte dies zunehmend schwerer fallen", heißt es daher in der Studie des DIW.

Wie sieht die Preisentwicklung aus?

Laut dem DIW-Report sind die Preise für Baumaterial, Rohstoffe und Dienstleistungen in 2017 wegen der hohen Nachfrage um ungefähr drei Prozent gestiegen. Der Trend dürfte sich auch in 2018 und sogar 2019 fortsetzen. Somit könnte es zu einer Preissteigerung von neun Prozent in nur drei Jahren kommen.

Diese Entwicklung ist mit Sorge zu betrachten. Negativen Einfluss auf diese Entwicklung haben außerdem die international steigenden Rohstoff- und Energiepreise. Sie könnten den Effekt der stetig steigenden Preise nur noch verschlimmern.

Wird das bebaubare Land knapp?

Dieses Jahr könnte es passieren: Die genehmigten Wohnungsneubauten erfahren zum ersten Mal seit dem Jahr 2008 einen Rückgang. Das lässt das Statistische Bundesamt verlauten. Mögliche Erklärungsansätze sind in den wieder steigenden Zinsen zu suchen. Außerdem wird das in Deutschland bebaubare Land zunehmend knapper. Steigende Preise für Grundstücke sind die Folge. Die DIW-Experten prognostizieren, dass dies Investoren zusätzlich abschreckt. Weniger Eigenheimbauprojekte werden geplant.

Unterm Strich werden Investitionen für den Wohnungsneubau 2018 um knapp fünf Prozent und 2019 um nur noch knapp ein Prozent zulegen. In den Vorjahren lagen Wachstumsraten bei teilweise mehr als zehn Prozent.

Wir fassen für Sie zusammen: Was muss getan werden?

Die Nachfrage nach (bezahlbarem) Wohnraum in Deutschland steigt weiterhin drastisch, das Angebot kann aber nicht ohne Weiteres an den bestehenden Überschuss angepasst werden. Wie kann dieses Dilemma also gelöst werden?

Der Deutsche Mieterverbund spricht sich für steuerliche Vorteile für Neubau-Investoren und eine Mietpreisobergrenze aus. Der Präsident des GdW-Bundesverbands der Wohnungswirtschaft, Axel Gedaschko, sagt: "Die sinkenden Baugenehmigungszahlen sind ein Alarmsignal. Der Abwärtstrend beim Wohnungsbau kann nur gestoppt werden, wenn zügig wirksame steuerliche Anreize gesetzt werden."

Doch genau von solchen finanziellen Lock- und Fördermitteln raten Vertreter des DIW ab. Ihrer Meinung nach führe dies nur zu noch höheren Preisen seitens der Baufirmen und Immobilienverkäufern. Daher spricht sich das Institut zum Beispiel für folgende Maßnahmen aus:

  • das Aufstocken von Gebäuden
  • das Bauen in „zweiter Reihe“
  • das Schließen von Baulücken

"Mit einer Investitionszulage für die Nachverdichtung könnte die Politik zusätzliche Investoren aktivieren", sagt DIW-Forscher Michelsen.

Wichtiger Hinweis: Unsere Artikel dienen als informative Ratgeber und stellen demnach keine verbindliche Rechtsberatung dar.

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