Bausparvertrag Grafik Haus mit Geldscheinen und Taschenrechner

Bausparvertrag: Bausparkassen dürfen gute Altverträge kündigen

Sie sind ein Bausparer, der sich noch über einen Bausparvertrag mit guten Zinsen freut? Das könnte leider schon bald vorbei sein. Tausende Bausparer mit solchen Altverträgen müssen jetzt mit einer Kündigung rechnen. Der sonst eher verbraucherfreundliche Bundesgerichtshof (BGH) lässt nämlich die Kündigungen hochverzinster Altverträge durch die Bausparkassen zu. Worauf Kunden jetzt achten müssen.

Für Immobilienkäufer führt der Weg zum Traumhaus oft über die Bank, die als Kreditgeber die Finanzierung der eigenen vier Wände ermöglicht.  Auch der Bausparvertrag wird gern für die Finanzierung hinzugezogen. Fast 30 Millionen Bausparverträge haben die Deutschen in ihren Schränken. Viele Jahre lang galt der Bausparvertrag als eines der beliebtesten Finanzprodukte der Deutschen. Wird sich das künftig ändern?

Das zeichnet einen Bausparvertrag aus

Ein Bausparvertrag ist ein Sparvertrag, den der Anleger (Bausparer) mit einer Bausparkasse abschließt. Bauspardarlehen werden hauptsächlich für die Immobilienfinanzierung eingesetzt.

Der mit Vertragsabschluss vereinbarte Bauspartarif bestimmt:

  • die Zinssätze (Sparzins und Darlehenszins),
  • die Ansparzeit,
  • die Tilgungszeit,
  • eine eventuelle Mindestvertragsdauer,
  • das Mindestguthaben bei Zuteilung,
  • die Regelspar- und Tilgungsbeiträge und
  • die Abschlussgebühr.

Nutzungsmöglichkeiten des Bausparvertrags

Bausparkassen bieten unterschiedliche Bauspartarife an, zum Beispiel Standardtarife, Schnellspartarife, Langzeittarife, variable Tarife. Man kann den Bausparvertrag nicht nur für die Errichtung von Wohneigentum verwenden. Auch der Kauf, die Modernisierung oder der Erhalt einer Eigentumswohnung oder eines Eigenheims, bzw. anderer Gebäude, die Wohnzwecken dienen, gehören zu den Verwendungsmöglichkeiten. Darüber hinaus kann der Bausparvertrag dazu genutzt werden, Bauland bzw. Erbbaurechte zu erwerben.

Die drei Phasen des Bausparens

Bausparen gliedert sich in drei Phasen:

  1. Einzahlungs- bzw. Ansparphase

In der Ansparphase wird die Basis für den Bausparvertrag geschaffen. Dabei wird das Eigenkapital aufgebaut. Zwar geht man von einem Mindestsparbetrag aus, jedoch kann es sich lohnen, einen höheren Eigenanteil anzusparen. Denn so reduziert sich einerseits die Darlehenssumme, andererseits kann man mit einem höheren Sparbetrag bessere Konditionen für das Bauspardarlehen mit der Bausparkasse vereinbaren. Nicht nur monatliche Raten sind bei einem Bausparvertrag möglich, auch eine höhere Einmalzahlung kann die Grundlage des Vertrags bilden. Jedoch kann die Einzahlungsart beeinflussen, welcher Tarif sich eher für Sie lohnt.

  1. Zuteilungsphase

Beim Abschluss des Bausparvertrags wird ein Zuteilungszeitpunkt berechnet. Dieser gibt an, wann nach Ansparen des Eigenkapitals das eigentliche Darlehen gewährt wird. Hier gilt es allerdings zu beachten, dass der im Vertrag genannte Zeitpunkt keine Garantie beinhaltet. Der tatsächliche Zeitpunkt kann sich je nach Finanzmarktlage auch um mehrere Monate verschieben, was dann zu Wartezeiten führen kann.Grundsätzlich wird das Darlehen nur dann gewährt, wenn neben dem Mindestguthaben, das zuvor im Bausparvertrag angespart werden muss, noch einige weitere Bedingungen erfüllt werden. So muss eine Mindestvertragsdauer erfüllt sein, sowie eine Mindestsparzeit. Hinzu kommt die sogenannte Bewertungszahl, die darüber entscheidet, ob ein Darlehen zugeteilt wird oder nicht.

  1. Tilgungsphase

Nach Zuteilung des Baudarlehens beginnt die Tilgungsphase. Dabei ist vertraglich festgelegt in welchem Umfang und über welchen Zeitraum die Rückzahlung der Darlehenssumme erfolgt. In der Regel werden die einzelnen Raten dabei genauso wie beim normalen Ratenkredit monatlich beglichen. Die Länge der Laufzeit hat Einfluss nicht nur auf die Höhe der einzelnen Monatsraten, sondern auch auf die anfallenden Bauzinsen – je länger das Darlehen abbezahlt wird, desto mehr Zinsen fallen an und desto höher ist die Tilgungssumme.

Das BGH-Urteil vom 21.02.2017

Seit Jahren kündigen Bausparkassen hochverzinste Altverträge ihrer Kunden. Viele Kunden sind ihrerseits dagegen angegengen und haben die Kündigung nicht akzeptiert. Der Bundesgerichtshof hat jetzt entschieden, dass Kündigungen seitens der Bausparkassen möglich sind – eine Niederlage für tausende Bausparer. Wenn Sparer zehn Jahre lang ihren Anspruch auf ein Baudarlehen nicht geltend machen, könne ihnen der Vertrag gekündigt werden, befand der XI. Zivilsenat des BGH in Karlsruhe. „Bausparverträge sind in der Regel zehn Jahre nach Zuteilung kündbar“, sagte der Vorsitzende Richter.

Doch wie sollten Bausparer sich aktuell verhalten? Welche Folgen hat das Urteil für sie?

Keine Kündigung vor der Zuteilungsreife

Wer einen alten oder neueren Bausparvertrag hat, der noch nicht zuteilungsreif ist, braucht sich aktuell keine Sorgen zu machen. Zuteilungsreif ist der Vertrag erst, sobald Sie ausreichend eingezahlt und lange genug gespart haben, um überhaupt einen Kredit von der Bausparkasse zu bekommen. „Die Bausparkasse schreibt Sie dann an und bietet Ihnen Ihr Bauspardarlehen und die Auszahlung des Guthabens an. In den meisten Tarifen müssen Sie etwa die Hälfte der Bausparsumme ansparen, damit der Vertrag zuteilungsreif wird – also etwa 15.000 Euro bei einer Bausparsumme von 30.000 Euro“, so Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur Finanztip. Er gibt darüber hinaus den Tipp, einfach bei der Bausparkasse anzurufen, falls man unsicher ist, wann der Bausparvertrag zuteilungsreif ist.

Aufgepasst während der Zehn-Jahres-Frist

Nach Erhalt der Zuteilungsnachricht können Sie weitersparen, aber die Bausparkasse kann den Bausparvertrag auch kündigen. Passen Sie während der 10-Jahresfrist darüber hinaus auf, dass Ihr Guthaben nicht größer wird als die Bausparsumme, denn auch dann kann die Bausparkasse den Vertrag beenden. „Einige Bausparkassen rechnen dabei sogar die Bonuszinsen, die der Bauspartarif vielleicht am Schluss zahlt, auf die Bausparsumme drauf. Ob das erlaubt ist, ist vor Gericht noch strittig“, berichtet Hermann-Josef Tenhagen. „Wer die zehn Jahre erreicht, muss zukünftig davon ausgehen, dass die Bausparkasse kündigt. Wenn Ihnen das passiert, sollten Sie nicht auf das Angebot für einen neuen Vertrag eingehen, den Ihre Bausparkasse bestimmt bereithält: Die aktuellen Tarife haben immer noch die alten Kosten – 1 Prozent oder mehr an Abschlussgebühr – und sind jetzt zusätzlich schlecht verzinst!“

Was tun, wenn Sie gegen eine Kündigung widersprochen haben?

Ihnen wurde der Bausparvertrag in der Vergangenheit mit Hinweis auf die 10-Jahresfrist gekündigt und Sie haben widersprochen? Nach dem Urteil vom vergangenen Dienstag können Sie jetzt davon ausgehen, dass Ihre Bausparkasse das Verfahren wieder aufgreifen wird. Leider haben Sie jetzt so gut wie gar keine Chancen mehr, den Vertrag weiterzuführen.

Für wen lohnt sich der Bausparvertrag noch?

Auch wenn es viele Veränderungen und viel Kritik gegeben hat, einen Bausparvertrag abzuschließen kann sich dennoch lohnen. Finanztip stellt drei Szenarien vor:

  1. Für eine Modernisierung:

„Wer in einigen Jahren Geld für eine Modernisierung benötigt, kann über einen Bausparvertrag mit maximal 30.000 Euro Bausparsumme nachdenken. In dieser Höhe gibt es bei der Bausparkasse einfacher und günstiger Geld als mit den Baukrediten bei der Bank.

  1. Für die Schlussrate

Auch für die letzte Rate einer Anschlussfinanzierung kann es sich lohnen, einen Bausparvertrag in dieser Höhe anzusparen – allerdings nur, wenn Sie Ihre Möglichkeiten für Sondertilgung komplett ausschöpfen.

  1. Für Jugendliche

Und dann bleibt noch das kleine Geschenk des Staates für Jugendliche ab 16 Jahren: Die erhalten nämlich für einen Bausparvertrag bereits die staatliche Förderung der Wohnungsbauprämie und müssen das Guthaben nicht zum Bauen verwenden. Außerdem locken die Bausparkassen diese Kunden mit kleinen Geschenken wie der Erstattung der Abschlussgebühr.“

Quelle: finanztip.de, finanzen.de