Steuern fĂŒr die Photovoltaikanlage
Tipps und Tricks fĂŒr die Anmeldung und SteuererklĂ€rung beim Installieren einer Solaranlage

Henrike Klammer

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    Aktualisiert am


Photovoltaik (PV) ist nicht nur eine umweltfreundliche Energiequelle, sondern auch eine Investition mit steuerlichen Auswirkungen. Ein Meilenstein in Steuerangelegenheiten sind die Neuregelungen fĂŒr die Besteuerung von Photovoltaikanlagen fĂŒr 2022 und 2023. Die enthaltenen bĂŒrokratischen Vereinfachungen sollen Anreize schaffen, Photovoltaikanlagen zu installieren. In diesem Artikel tauchen wir tief in die Welt der PV-Anlagen und ihre steuerlichen Aspekte ein, um sicherzustellen, dass Sie das Beste aus Ihrer Anlage herausholen.

Umsatzsteuer ab 1.Januar 2023 mit 0%

Laut dem Jahressteuergesetz 2022, fÀllt seit dem 1.Januar 2023 beim Kauf einer Photovoltaikanlage keine Umsatzsteuer mehr an. Bis dahin musste eine Umsatzsteuer, bekannt als Mehrwertsteuer, von 19% auf das Produkt gezahlt werden. Dieser Meilenstein ist nur möglich, da sich die EU Politik darauf geeinigt hat, dass Produkte, welche auf ein wichtiges politisches Ziel hinarbeiten, von der Mehrwertsteuer ausgenommen werden können.

Die 0% Regelung gilt dabei sowohl beim Kauf der Solarmodule, als auch beim Erwerb der nötigen Montagekits, wie Halterung und Speichermedium. Auch die Installation einer Solaranlage wird mit 0% versteuert.

Voraussetzungen fĂŒr eine Nullprozentversteuerung sind dabei folgende:

  • Die Solarmodule sind auf dem Dach eines WohngebĂ€udes oder in der NĂ€he des WohngebĂ€udes zu installieren, wie eine Garage.
  • Die Anlage wird auf dem Dach eines öffentlichen GebĂ€udes angebracht.
  • Sobald die Anlage keine höhere Leistung hat als eine jĂ€hrliche Bruttoleistung von 30 kW, sind die Voraussetzungen automatisch erfĂŒllt.
  • Die Installation darf erst nach dem 1.Januar 2023 abgeschlossen sein. Dies gilt auch, wenn die Komponenten der Anlage schon im Kalenderjahr 2022 erworben wurden.

Balkonkraftwerke sind Mini-Solaranlagen und grundsÀtzlich von der Umsatzsteuer befreit.

Besteuerung als Kleinunternehmer oder Regelbesteuerung

Als Kleinunternehmer gelten selbstĂ€ndige Personen, welche die Umsatzgrenze von 22.000 € im Jahr nicht ĂŒberschreiten. Laut § 19 UStG wird keine Umsatzsteuer auf die UmsĂ€tze angewandt, wodurch auch keine VorsteuerabzĂŒge möglich sind.

Vorteile als Kleinunternehmer:

  • Keine Umsatzsteuer
  • Keine Besteuerung des selbstgenutzten Stroms
  • Nur EÜR und private SteuererklĂ€rung

Nachteile als Kleinunternehmer:

  • Kein Vorsteuerabzug (Steuervorteile bei der Anschaffung, Installation und Instandhaltung)
  • Mindestlaufzeit 5 Jahre

Wenn Sie darauf verzichten, gilt die Regelbesteuerung und Sie zahlen als steuerpflichtiger Unternehmer die Umsatzsteuer. In diesem Fall können Sie den Vorsteuerabzug fĂŒr Eingangsrechnungen nutzen. Die Kehrseite der Medaille ist, dass es sich um einen bĂŒrokratischen Mehraufwand handelt, da Sie verpflichtet sind, eine UmsatzsteuererklĂ€rung abzugeben und Buchhaltung fĂŒhren mĂŒssen.

Vorteile der Regelbesteuerung:

  • Umsatzsteuer beim Kauf wird erstattet
  • Umsatzsteuer bei Betriebskosten wird erstattet

Nachteile der Regelbesteuerung:

  • bĂŒrokratischer Mehraufwand
  • der private Strom wird besteuert

Wer sich fĂŒr eine Regelbesteuerung entscheidet und laut §19 UStG nicht als Kleinunternehmer beim Finanzamt erfasst wird, muss sich spĂ€testens nach einem Monat der Installation beim zustĂ€ndigen Finanzamt anmelden. Diese Pflicht besteht auch mit den Neuerungen ab dem 1.1.2023.

Was lohnt sich mehr ab dem 1.1.2023 - Kleinunternehmer oder Regelbesteuerung?

Vor dem 1.1.2023 galt als Empfehlung, die ersten fĂŒnf Jahre die Regelbesteuerung zu wĂ€hlen, um die VorzĂŒge der Vorsteuer nutzen zu können. FĂŒr Solaranlagenbesitzer, die die Anlage vor 2022 erworben haben, zĂ€hlt dies immer noch, da auf diese Weise die erhobene Mehrwertsteuer von 19% zurĂŒckerstattet werden kann. Wird die Anlage jedoch ab dem 1.1.2022 erworben, fĂ€llt die Mehrwertsteuer weg und kann somit nicht in der UmsatzsteuererklĂ€rung geltend gemacht werden.

Ab dem 1.1.2023 können Sie als Kleinunternehmer direkt die VorzĂŒge, keine Umsatzsteuer zahlen zu mĂŒssen, nutzen. Dies gilt allerdings nur fĂŒr Menschen, die unter der Umsatzgrenze von 22.000€ als Unternehmer angesiedelt sind.

Was bedeutet Inselanlage?

Eine dritte Alternative zur Regelbesteuerung und Kleinunternehmerregelung ist die Inselanlage. Darunter versteht sich eine Photovoltaikanlage, die so viel Strom produziert, dass Sie diesen komplett selbst nutzen und kein Strom ins öffentliche Netz gelangt. Auf diese Weise muss auch kein Strom besteuert werden. Vor allem Haushalte mit hohem Stromverbrauch sollten auf diese Variante zurĂŒckgreifen. Eine weitere Möglichkeit wĂ€re, den Strom zu speichern, die Stromspeicher sind jedoch sehr kostenintensiv. Da die EinspeisevergĂŒtung jedoch stetig ist, ist die Inselanlage eine Alternative, die durchaus in ErwĂ€gung gezogen werden sollte.

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Einkommensteuerbefreiung ab dem 1.Januar 2022

Das Jahressteuergesetz 2022 besagt, dass die Einkommensteuer ab dem 1.Januar 2022 fĂŒr kleine Solaranlagen (kleiner als 30 kWp) wegfĂ€llt. FĂŒr die Steuerfreiheit muss kein Antrag gestellt werden, wie bei einer Liebhaberei, sondern sie gilt automatisch. Anlagen, die vor dem Jahr 2022 in Betrieb genommen wurden, richten sich bis einschließlich 2021 an die alten BesteuerungssĂ€tze.

Voraussetzungen fĂŒr die Steuerfreiheit ab 2022 sind folgende:

  • Anlagen auf einem WohngebĂ€ude, öffentlichen GebĂ€uden oder einer Gewerbeimmobilie dĂŒrfen eine jĂ€hrliche max. Bruttoleistung von 30 kW aufweisen.
  • Anlagen auf “MischgebĂ€uden” dĂŒrfen eine jĂ€hrliche Bruttoleistung von 15 kW pro Wohn- und Gewerbeeinheit erbringen.
  • Pro Person betrĂ€gt die Befreiung bei Betriebnahme von mehreren Anlagen 100 kW. Besitzt eine Person eine Anlage mit einer Laufleistung von 15 kW auf einem Einfamilienhaus und 4 Anlagen a 15 kW Laufleistung auf einem Mehrfamilienhaus, betreibt er insgesamt Anlagen mit Laufleistungen von 75 kW. Er fĂ€llt also unter die 100 kW und genießt die neue Steuerfreiheit.

Ebenfalls neu in dieser Gesetzgebung ist, dass der Verwendungszweck des erzeugten Stroms bei der Besteuerung keine Auswirkungen mehr hat. Die Anlage muss nicht auf dem eigenen Wohnhaus befestigt sein und der Strom muss nicht fĂŒr eigene Zweck erfĂŒllt werden, sondern kann zu 100% ins öffentliche Stromnetz abgefĂŒhrt werden.

Betreiben Betriebe bzw. Gewerbe Anlagen, die unter die angegebenen Fahrleistungen fallen, wird kein Gewinn ermittelt

Vor- und Nachteil an der neuen Regelung:

Der Vorteil ist offensichtlich, durch die Erneuerung kommen keine Besteuerungen auf dich zu. Im Umkehrschluss bedeutet das auch, dass laut § 3c EStG Ausgaben fĂŒr diese Anlagen, die nach dem 1.Januar 2022 getĂ€tigt wurden, nicht weiter als Betriebsausgaben oder Sonderausgaben (Sonder-AFA) in der SteuererklĂ€rung berĂŒcksichtigt werden. Wer also eine Anlage vor dem Jahr 2022 gekauft hat, hat den Vorteil, die Ausgaben noch geltend gemacht zu haben und ab 2022 von den Steuervorteilen zu profitieren.

Einkommensteuer bei Gewinnen durch eine PV-Anlage ĂŒber 30 kW

Die Einkommensteuer greift dann, wenn aus einer VerĂ€ußerung Gewinne erzielt werden. Diese Gewinne werden besteuert. Bei einer Photovoltaikanlage zĂ€hlen zu den Gewinnen sowohl der selbst genutzte als auch der ins öffentliche Netz eingespeiste, also verkaufte Strom. Hat die Anlage eine höhere Laufleistung als 30 kW, muss diese in der EinkommensteuererklĂ€rung berĂŒcksichtigt werden. Voraussetzungen sind dafĂŒr folgende:

  • Die Anlage muss spĂ€testens einen Monat nach Inbetriebnahme bei der Bundesnetzagentur gemeldet sein
  • Die jĂ€hrliche Strommenge muss beim Netzbetreiber vorgewiesen werden
  • Wird der Strom nicht Privat an Netzbetreiber verkauft, muss dies ĂŒber einen Vermarkter passieren
  • Es muss Gewinn erwirtschaftet werden, da nur dieser besteuert wird

Der Gewinn wird zusammen mit dem Rest der EinkommensteuererklĂ€rung ĂŒber die EinnahmenĂŒberschussrechnung (Anlage EÜR) beim Finanzamt eingereicht.

Kleinunternehmerregelung oder Regelbesteuerung bei einer Anlage ĂŒber 30 kW?

Bei einer Anlage mit ĂŒber 30 kW jĂ€hrlicher Leistung lohnt sich auch nach dem 1.1.2023 noch die Regelbesteuerung anzuwenden, da die Vorsteuer auf die Umsatzsteuer beim Kauf einer Solaranlage geltend gemacht werden kann. Das heißt, dass die Mehrwertsteuer fĂŒr den Kauf, die Installation und die Instandhaltung der Anlage zurĂŒckerstattet wird. Nach fĂŒnf Pflichtjahren der Regelbesteuerung kann in die Kleinunternehmerregelung gewechselt werden.

Es gibt auch Anlagen mit ĂŒber 30 kW, die von der neuen Nullprozentregel profitieren, z.B. Solaranlagen auf DĂ€chern von MehrfamilienhĂ€usern. In diesem Fall darf je Mieteinheit 15 kW Leistung erbracht werden.

Benötige ich eine Gewerbeanmeldung fĂŒr eine PV-Anlage?

Wird eine Anlage installiert und Strom ins öffentliche Netz eingespeist, zÀhlt dies als Gewerbe. Handelt es sich dabei um eine Anlage, die weniger als 30 kW produziert, ist der Strom ab dem 1.1.2023 nicht zu versteuern. Rein formell sollte eine Anlage trotzdem noch angemeldet werden.

Anlagen mit einer höheren Leistung als 30 kW mĂŒssen bei der Stadt oder Gemeinde in Form einer Gewerbeanmeldung gemeldet werden. Im Zuge der Anmeldung werden Sie sowohl eine BestĂ€tigung vom Finanzamt, als auch von der ortsansĂ€ssigen IHK erhalten.

Bei einem jĂ€hrlichen Überschuss von 24.500 € wĂŒrde die Gewerbesteuer greifen, die an die jeweilige Gemeinde gezahlt werden wĂŒrde.

Liebhaberei bei der Einkommensteuer vor dem 1.1.2023

Als Liebhaberei wird vom Finanzamt eine TĂ€tigkeit verstanden, mit der keine Gewinnerzielungsabsicht zu verzeichnen ist. Es wird angenommen, dass mit der TĂ€tigkeit, also der Installation einer PV-Anlage, langfristig keine Gewinne erzielt werden. Im Zuge der neuen Regelungen hat die Liebhaberei fĂŒr PV-Anlagen bis zu einer 30 kW Leistung keine Bedeutung mehr. Bis Ende 2022 profitieren Betreiber einer PV-Anlage von folgenden Regelungen der Liebhaberei:

  • Befreiung der Einkommensteuer
  • Befreiung der Umsatzsteuer (auch fĂŒr Kleinunternehmer)

Bei Anlagen ĂŒber 30 kW entscheidet das Finanzamt nach wie vor, ob es sich um eine Liebhaberei handelt. Sollte es Ihrer Meinung nach um eine Photovoltaikanlage ohne Gewinnabsichten handeln, reichen Sie beim Finanzamt eine Wirtschaftlichkeitsprognose ĂŒber den Abschreibungszeitraum (20 Jahre). Dabei werden Ausgaben gegen Einnahmen gerechnet.

Ausgaben:

  • Kosten fĂŒr den Kauf der Anlage
  • Kosten fĂŒr die Installation
  • Kosten fĂŒr den Betrieb, die Wartung und Instandhaltung
  • Kredit-Tilgungsraten

Einnahmen:

  • EinspeisevergĂŒtung
  • Eigenverbrauch

Wird aus der Prognose ersichtlich, dass es sich um einen Überschuss handelt, geht das Finanzamt von einer Gewinnabsicht aus.

Welche Steuern mĂŒssen fĂŒr einen Speicher gezahlt werden?

Wie bei den Solarmodulen und Komplett-Sets auch, mĂŒssen ab dem 1.1.2023 keine Steuern auf den Erwerb eines Stromspeichers gezahlt werden. Handelt es sich bei Ihrer Anlage jedoch um eine steuerpflichtige Anlage, kann der Stromspeicher bei der Vorsteuer geltend gemacht werden, wenn er zusammen mit der Anlage erworben wird. Wird der Speicher nachgerĂŒstet, handelt es sich beim Finanzamt um einen neue Investition und wird somit steuerrechtlich von der PV-Anlage getrennt. Er kann jedoch trotzdem deinem Gewerbe hinzugefĂŒgt werden, wenn er Ihrem Gewerbe dient.

Der Speicher dient dem Gewerbe nur, wenn 10 % des gespeicherten Stroms in das öffentliche Netz eingespeist werden und der Umsatz dadurch erhöht wird.

Fazit: Zusammenfassung

Steuern rund um Photovoltaikanlagen sind ein komplexes Thema. Um den Überblick nicht zu verlieren haben wir alle wichtigen Fakten zusammengefasst:

  • Ab dem 1.1.2023 gilt 0% Umsatzsteuer auf die Lieferung und Installation von Solaranlagen mit weniger als 30 kW
  • RĂŒckwirkend ab dem 1.1.2023 gilt eine Einkommensteuerbefreiung von Photovoltaikanlagen mit weniger Leistung als 30 kW.
  • FĂŒr eine Photovoltaikanlage, welche ab 2023 unter die Steuerbefreiung zĂ€hlt, muss keine Gewinnermittlung und keine Anlage EÜR beim Finanzamt abgegeben werden.

Wichtiger Hinweis: Unsere Artikel dienen als informative Ratgeber und stellen demnach keine verbindliche Rechtsberatung dar.

Über die Autorin

Henrike Klammer

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Henrike Klammer, Redakteurin im Bereich Finanzen- und Immobilien. Bereits vor ihrer Anstellung bei Hausgold.de war Henrike Klammer Expertin fĂŒr hochwertig recherchierte Artikel der Kredit- und Finanzbranche. Seit 2020 ist Henrike Klammer das HerzstĂŒck der Hausgold.de-Redaktion und die erste Ansprechpartnerin wenn es um das Wissen auf dem deutschen Immobilienmarkt geht.

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