Klebeeffekt Stadt

Warum können sich junge Menschen kein Haus mehr leisten?

Der Wunsch nach der Selbstverwirklichung innerhalb der eigenen vier Wände ist für die meisten Deutschen das Wichtigste. Doch insbesondere junge Leute haben heutzutage oftmals gar nicht die Möglichkeit an bezahlbare Immobilien heranzukommen – dabei liegen die Hauptgründe hierfür nicht einmal unbedingt in den gestiegenen Immobilienpreisen, sondern auch in einer Veränderung unseres Bildungssystems. Was Immobilienexperte Matthias Günther damit genau meint, lesen Sie hier.

Der Wunsch nach der Selbstverwirklichung innerhalb der eigenen vier Wände ist groß. Für circa 97 Prozent der Deutschen ist ein schönes Zuhause mit das Wichtigste im Leben. Das ist das Ergebnis der groß angelegten Wohnraumanalyse 2018 von interhyp. Lediglich die Gesundheit wird als noch wichtiger von den 2.100 Studienteilnehmern eingeschätzt. Doch was verbirgt sich eigentlich hinter dem Wort „Zuhause“? Und was verstehen die Deutschen darunter?

Was bedeutet „Zuhause“?

Für die Heimatforscherin Beate Mitzscherlich ist der Begriff zuhause „ein Ort, an dem man ein Grundgefühl von Geborgenheit spürt. Es ist die Verbindung von räumlicher und sozialer Sicherheit.“ In der Tat, für viele Menschen stellt das eigene Zuhause einen Ort dar, zu dem man eine emotionale Verbindung hat. Diese Definition deckt sich ziemlich stark mit den Antworten der Deutschen in der Wohnraumanalyse. Hier gaben 98 Prozent der Teilnehmer an, dass das Wort „Zuhause“ für sie Geborgenheit und Gemütlichkeit bedeutet. Weiterhin sieht eine überwältigende Mehrheit von 97 Prozent das eigene Haus oder die eigene Wohnung als sicheren Rückzugsort an, indem man seine Privatsphäre genießen kann.

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Millenium-Generation ist der Verlierer am Immobilienmarkt

Doch insbesondere der Traum von Sicherheit und Geborgenheit wird für viele junge Menschen unerreichbar sein. Obwohl die Zinsen zum Geldleihen seit Jahren auf einem historischen Tiefstand liegen, sinkt die Erwerbsquote von Eigentum ständig. Das ergab eine Analyse des Instituts der Deutschen Wirtschaft in Köln aus dem Jahre 2018. Während im Jahr 2016 noch circa 800.000 Menschen erstmals Eigentum erworben haben, waren es drei Jahre später nicht mal mehr als 600.000. Vor allem die Ersterwerberquote im städtischen Raum ist deutlich gesunken. Hier kaufen sich nur noch 1,2 der dort lebenden Bürger eine Immobilie. Könnte die Lust am eigenen zuhause gesunken sein? Vielleicht präferiert die hippe Millenium-Generation ein Leben voller Rastlosigkeit, Reisen und Selbstverwirklichung dem Traum vom „Häusle baue‘“?

Das wollen die jungen Leute

Laut der Umfrage von infratest dimap (2018) ist das Gegenteilige der Fall: Gerade junge Menschen wollen ein eigenes Haus. Vor allem als Altersvorsorge ist eine eigene Immobilie Millennials wichtig, da sie in Zukunft als Ausgleich zur schwindenden Rente dienen könnte. Jedoch schaffen es immer weniger junge Menschen sich ein eigenes Haus zu leisten. Bei den 25- bis 40-Jährigen ist die Eigentumsquote innerhalb der vergangenen zwölf Jahre um fast zehn Prozent zurückgegangen. Wie kommt es also, dass die Quote des Eigentums trotz anhaltender Ambitionen nach selbigem sinkt?

Ersterwerberquote in Deutschland, Quelle: IW Köln

Ursachen einer geringen Eigentümerquote

Matthias Günther, Leiter und Immobilienexperte des Pestel-Instituts, behauptet, dass die beschriebene Situation nicht nur eine Ursache habe, sondern vielmehr das Produkt verschiedener Gründe ist.

  1.  Schlechtere Gehälter trotz Studium
    „Es gibt eine Akademisierung der Ausbildung“, erklärt Günther. Im Gegensatz zu früher sei ein Universitätsabschluss aber kein „Freifahrtsschein“ für ein höheres Einkommen. Außerdem verkürzt sich der Zeitraum in der man ein Haus abbezahlen könnte durch die immer länger werdenden Studiums- und Ausbildungszeiten.
  2. Der „Klebe-Effekt“
    Viele junge Leute ziehen nach der Schule zum Studieren in eine größere Stadt. Doch nach dem Studium ziehen die wenigsten wieder dorthin zurück, wo sie einst aufgewachsen sind. Stattdessen bleiben die frisch gebackenen Absolventen in der Stadt – das ist der sogenannte „Klebe-Effekt“. Dieser bringt zwei Nachteile mit sich. Zum einen kann man in den allerwenigsten Städten noch ein Haus bauen, da die meisten bebaubaren Flächen bereits ausgeschöpft sind. Zum anderen steigt die Nachfrage nach Wohnraum, was sich wiederum in einem erhöhten Preisniveau von Immobilien widerspiegelt.
  3. Zeitverträge
    Seit Anfang der 2000er-Jahre können Arbeitsverträge unbegründet befristet werden. Davon betroffen sind meist junge Menschen. Laut dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung arbeiten Millennials fast dreimal so häufig mit befristeten Verträgen wie 45- bis 54-Jährige, gegenüber der Generation 55+ sogar viermal. „Bis man berufliche und räumliche Planungssicherheit hat, ist man oft über 30“, sagt Günther. Man hatte bis dahin außerdem nur wenig Zeit, Eigenkapital aufzubauen. Wenn man dann den Entschluss für ein Haus fasst, fehlt das Geld, um zum Beispiel die hohe Grunderwerbssteuer zu zahlen, so Günther.

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