Smart Meter Strommast in Landschaft

Wissen Sie, was ein Smart Meter ist?

In Deutschland werden schrittweise ab diesem Jahr neue Stromzähler (sogenannte Smart Meter) Pflicht. Die Verbraucherzentrale Bundesverband e. V. (vzbv) kritisiert, dass die Nachricht für Verbraucherinnen und Verbraucher zu überraschend käme: Nur 8 Prozent der Verbraucher – so das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage von GfK im Auftrag des Verbraucherzentrale Bundesverbands – wissen, was ein Smart Meter ist. 68 Prozent haben bislang noch nie von Smart Metern gehört.

Smart Meter, das sind moderne, digitale Stromzähler. Sie zeigen Verbrauchsmengen und Verbrauchszeit von Strom, Gas und Wasser an, zeichnen die Daten auf und übermitteln sie direkt an den Messdienstleister. Über ein zusätzliches Display in der Wohnung oder eine Internetanwendung sollen Verbraucher genau erkennen können, wie viel sie wann verbrauchen. Mit Smart Meter sollen Haushalte einen schnelleren und genaueren Überblick über den eigenen Verbrauch erhalten – und so Energie sparen.

Unterschied herkömmlichen Stromzähler – Smart Meter

Der herkömmliche, analoge Ferraris-Zähler liefert einen einzigen Wert: den Gesamtverbrauch seit der Installation. Der Zählerstand muss jährlich vom Ablesedienst erfasst werden. Weder sind damit einzelne Tagesspitzen, also wann besonders viel Strom verbraucht wurde, noch Jahreszeitenverläufe der entsprechenden Stromverbräuche nachvollziehbar.

Im Unterschied dazu erfassen die neuen, intelligenten Messsysteme den Verbrauch und die verwendete Leistung in Echtzeit. Sie übertragen diese Informationen automatisch an Messstellenbetreiber und Energieversorger. Damit werden genaue monatliche Abrechnungen und die regelmäßige Kontrolle des Stromverbrauchs möglich. Einsparpotenziale können erkannt und Sparerfolge zeitnah beobachtet werden.

Was sich ab 2017 ändert

Verpflichtend ist der Smart-Meter-Einbau, so der vzbv, ab 2017 für Haushalte und Unternehmen mit einem Jahresverbrauch von mehr als 10.000 Kilowattstunden. Auch Haushalte mit großen Photovoltaikanlagen müssen ab diesem Jahr ein intelligentes Messsystem bekommen.

Ab dem Jahr 2020 müssen Haushalte mit einem Jahresverbrauch von mehr als 6.000 Kilowattstunden ein intelligentes Messsystem bekommen und sollen dafür maximal 100 Euro im Jahr bezahlen.

Für Haushalte mit einem geringeren Verbrauch ist der Einbau freiwillig. Beim turnusmäßigen Zählertausch bekommen diese Haushalte eine moderne Messeinrichtung, die aber keine Daten übertragen kann. Allerdings werden auch diese Haushalte zwangsweise mit Smart Metern ausgerüstet, wenn es ihr Vermieter oder zuständiger Messstellenbetreiber will.

Helfen Smart Meter beim Energie sparen?

Wenn Verbraucher den eigenen Energiekonsum messen und nachvollziehen, dann können sie effizienter und sparsamer mit Energie umgehen. Das ist die Grundidee der Smart Meter. Außerdem lassen sich mit einem Smart Meter Stromfresser enttarnen und Energieverbräuche und -kosten transparenter machen. Smart-Meter-Befürworter betonen außerdem, dass Smart Meter die technische Basis für tageszeitabhängige Tarife darstellen. So können Verbraucher beispielsweise belohnt werden, die ihren Stromverbrauch zeitlich verlagern, etwa, wenn sie nachts die Waschmaschine laufen lassen.

Kritikpunkte der Verbraucherzentrale

Energieexpertin Johanna Kardel vom vzbv weist darauf hin, dass Verbraucher sich in den nächsten Jahren auf einen Stromzähleraustausch einstellen müssten und dass damit zusätzliche Kosten auf sie zukämen. Es sei daher dringend erforderlich, dass Verbraucher rechtzeitig und umfassend über den bevorstehenden Zählerwechsel informiert werden. Sie ist außerdem der Meinung, dass „Der Smart Meter-Einbau allein (..) keine Energie (spart). Erst eine Verhaltensänderung bewirkt eine Einsparung. Dafür muss die Information aber auch ansprechend aufbereitet sein und konkrete Handlungsempfehlungen beinhalten. Außerdem gibt es die versprochenen variablen Tarife bislang nicht – das muss sich ändern.“

Neben zusätzlichen Kosten bringe die neue Technik aber auch neue Herausforderungen. Smart Meter erheben Daten, die Rückschlüsse auf Lebensstandard und Gewohnheiten zulassen. „Die technischen Sicherheitsvorgaben der neuen Systeme sind grundsätzlich sehr hoch. Jetzt kommt es darauf an, dass sie eingehalten werden“, so Kardel weiter. Verbraucher können aber darüber hinaus ihre Daten auch freiwillig Dritten zur Verfügung stellen, beispielsweise für Werbezwecke. Sie sollten aber über die Konsequenzen und die Verwendung ihrer Daten informiert werden und einen angemessenen Gegenwert dafür bekommen.

Wo bekommt man einen Smart Meter?

Smart Meter werden von Messdienstleistern angeboten. Das sind in der Regel örtliche oder regionale Energieversorger, aber auch andere Unternehmen. Meist wird für Smart Meter eine Gebühr für die Installation fällig und der monatliche Messpreis liegt möglicherweise höher als bisher.

Wie viel Geld lässt sich mit Smart Meter sparen?

Wie die Verbraucherzentrale anmerkt: Smart Meter allein helfen nicht, Energie zu sparen. Erst wenn Feedbacksysteme wie ein Display oder eine Online-Anwendungen genauen Aufschluss über den Verbrauch geben, entfalten Smart Meter ihr Potenzial. Laut Studien können fünf bis zehn Prozent Energie gespart werden. Das ist sowohl für den Klimaschutz gut als auch für das Portemonnaie. Eine vierköpfige Familie könne jährlich Energiekosten von 50 bis 90 Euro sparen. Allerdings hängt das individuelle Sparpotenzial vom bisherigen Nutzungsverhalten des Einzelnen ab: Wer schon heute auf seinen Stromverbrauch achtet, hat weniger Sparmöglichkeiten als jemand, der sich bisher nicht darum gekümmert hat.

Gibt es in anderen Ländern Smart Meter?

Die Europäische Union forderte von ihren Mitgliedsstaaten, innovative Messsysteme einzuführen. In Schweden etwa wurden elektronische Stromzähler von 2003 bis 2009 verpflichtend für alle Haushalte vom Netzbetreiber eingeführt. Auch in Finnland und Italien sind intelligente Stromzähler weit verbreitet. Große Fortschritte bei der Einführung gab es zudem schon 2012 in Estland, Frankreich, Großbritannien, Irland, Malta, Niederlande, Norwegen, Portugal und Spanien.

Welche Geräte verbrauchen am meisten Strom?

Wer gleich heute seinen Energieverbrauch reduzieren möchte, sollte sich Gedanken über den Verbrauch seiner Haushaltgeräte machen. Zu den „Top-Stromfressern“ zählen:

  • Der Kühlschrank. Er hat einen Stromverbrauch von über 10 %.
  • Das Warmwasser im Badezimmer und das Gefriergerät. Beide liegen bei 10 %.
  • Der Elektroherd. Er verbraucht 9 % des gesamten Stroms.
  • Das Licht mit 9 %.
  • Fernseher, Computer und Stereoanlagen – alles zusammengerechnet ergibt 8 %.
  • Gemeinschaftsanlagen im Haus (Treppenhausbeleuchtung, Kellerlicht, Aufzug) mit 6 %.
  • Die Waschmaschine mit 4 %.
  • Geschirrspüler, Wäschetrockner und der Warmwasserverbrauch in der Küche mit jeweils 3 %.
  • Elektrische Heizgeräte wie Radiatoren mit 1 %.
  • Die restlichen 24 % nehmen alle übrigen elektrischen Geräte ein, wie z. B. elektrische Zahnbürsten, Föhn, Rasierer, Mixer, Mikrowelle, Handyladestation oder Spielkonsolen.

Überdenken Sie einfach, wie oft Sie welche Geräte verwenden. Vielleicht kann die Wäsche auch mal an der Wäscheleine trocknen? Und auch mit Energiespar- und LED-Lampen lassen sich Stromkosten deutlich drücken.

Quelle: Verbraucherzentrale Bundesverband e.V. (vzbv), co2online