In Deutschland gibt es jährlich mehr als 800.000 Erbfälle, dabei werden schätzungsweise etwa 200 bis 300 Milliarden Euro Vermögen vererbt. Knapp die Hälfte davon besteht aus Immobilienvermögen. Die Wahrscheinlichkeit, zum Immobilienerben zu werden, ist also gar nicht so gering.

Wenn der Erbfall eintritt und eine Immobilie zum Erbe gehört, kann es notwendig sein, einen Erbschein zu beantragen, um auch tatsächlich Eigentümer zu werden. Wir möchten Ihnen an dieser Stelle erläutern, wann das der Fall ist und was Sie dabei beachten müssen. Ein Erbschein ist ein amtliches Zeugnis, das anzeigt, wer in einem Erbfall Erbe ist und welche Beschränkungen ggf. bei Verfügungen bestehen. Das Dokument dient der Rechtssicherheit, da Dritte im Rechtsverkehr nicht ohne weiteres erkennen können, ob eine Erbberechtigung besteht.

Wann benötigen Sie einen Erbschein?

Ein Erbschein ist immer erforderlich, wenn kein öffentliches – das heißt notariell beglaubigtes – Testament oder kein entsprechender Erbvertrag vorliegt. Hat der Erblasser also nur ein privatschriftliches Testament hinterlassen oder keine Verfügung von Todes wegen getroffen, so dass die gesetzliche Erbfolge eintritt, ist der Erbschein zwingend, um das Erbe antreten zu können. Es gibt unterschiedliche Arten von Erbscheinen. Sind Sie Alleinerbe, erhalten Sie einen Alleinerbschein. Bei mehreren Erben wird normalerweise ein gemeinschaftlicher Erbschein ausgestellt. Es besteht aber auch die Möglichkeit, einen Teilerbschein zu beantragen, der sich nur auf den jeweils individuellen Erbteil bezieht.

Erbschein und Grundbucheintragung

Die Grundbuchordnung sieht die Vorlage eines Erbscheins zwingend vor, um Sie als Eigentümer der ererbten Immobilie im Grundbuch einzutragen. Erst damit werden Sie „juristisch“ Eigentümer. Lediglich im Falle eines notariell beglaubigten Testaments oder Erbvertrags kann auf den Erbschein verzichtet werden. Manchmal verlangt das Grundbuchamt aber trotzdem das Dokument – zum Beispiel, wenn Formulierungen in Testament oder Erbvertrag unklar bzw. nicht eindeutig sind.

Wer den Erbschein ausstellt

Der Erbschein ist beim zuständigen Nachlassgericht zu beantragen. Üblicherweise handelt es sich um das Amtsgericht am letzten Wohnsitz des Verstorbenen. In Baden-Württemberg sind davon abweichend die staatlichen Notariate für diese Aufgabe zuständig. Der Antrag kann entweder direkt beim Nachlassgericht gestellt werden oder von einem Notar aufgenommen werden, der diesen dann entsprechend weiterleitet.

Welche Unterlagen sind vorzulegen?

Damit das Nachlassgericht Ihnen das Dokument ausstellt, haben Sie Ihre Erbberechtigung nachzuweisen. Dazu müssen Sie folgendes vorlegen:

  • Ihren Personalausweis;
  • die Sterbeurkunde;
  • das Familienstammbuch bzw. entsprechende Urkunden (Geburtsurkunde, Heiratsurkunde usw.), wenn kein Testament vorliegt;
  • das handschriftliche Testament oder den Erbvertrag, auch Entwürfe oder frühere Fassungen;
  • eidesstattliche Versicherungen – zur Richtigkeit Ihrer Angaben, dass kein Prozess wegen des Erbes anhängig ist und dass keine weiteren Verfügungen bekannt sind.

Kann der Erbschein ungültig werden?

Wenn sich nachträglich herausstellt, dass die Erbverhältnisse tatsächlich anders sind als angegeben, verliert der Erbschein seine Gültigkeit. Es kommt gar nicht so selten vor, dass beim „Entrümpeln“ doch noch ein vorher nicht bekanntes Testament mit anderen Regelungen auftaucht. Das Nachlassgericht ist in diesem Fall verpflichtet, den Erbschein wieder einzuziehen – ggf. auch vorsorglich für kraftlos zu erklären.

Vorsicht: wer wissentlich und vorsätzlich einen falschen Erbschein beantragt, macht sich strafbar – zum Beispiel wegen falscher Versicherung an Eides statt (§ 156 StGB) oder wegen Betrugs (§ 263 StGB). Bei beiden Delikten drohen empfindliche Geldstrafen, schlimmstenfalls Gefängnis.

Was kostet der Erbschein?

Billig ist ein Erbschein nicht. Das gilt gerade bei ererbtem Immobilienvermögen. Die Gebühren richten sich nämlich nach dem Wert des Erbes. Da es bei Immobilien in der Regel um größeres Vermögen geht, fallen auch die Gebühren entsprechend hoch aus. Entscheidend für die Gebührenbemessung ist der Wert zum Zeitpunkt des Erbfalls. Erben sind verpflichtet, bei der Wertermittlung nach bestem „Wissen und Gewissen“ mitzuwirken. Bereits ab einem Erbe von etwa 260.000 Euro kostet der Erbschein mehr als 1.000 Euro. Nebenkosten wie Schreibauslagen oder die Mehrwertsteuer bei Notar-Einschaltung sind dabei nicht einmal berücksichtigt, um ihn zu erhalten: den Erbschein.

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