Smart-Home

Smart-Home: die intelligenten vier Wände

Die Eigenheime werden intelligent. Denn die digitale Technik zieht zunehmend in die deutschen Haushalte ein. Besonders im Winter gewinnt die digitale Technik an Bedeutung, wenn das Sparen von Strom- und Heizkosten im Fokus steht. Denn mittlerweile können Smartphones, Tablets und weitere Mitglieder aus der Familie der mobilen Geräte zu enorm hilfreichen Begleitern für den Verbraucher werden.

Mit der Hilfe von Sensoren, Chips und Programmen lernt das Smart-Home anhand des individuellen Verbrauchs, die Prozesse im Haus oder der Wohnung energieeffizient zu steuern. Es soll lernen, wann seine Bewohner aufstehen, Geräte aktivieren und wann Warmwasser für die Dusche benötigt wird. Für diese Zwecke soll dann die Energie möglichst effizient zur Verfügung gestellt werden.

Da regelt das Smartphone die Heizungsanlage und schaltet diese auf Wunsch beim Verlassen des Hauses sogar herunter und erst wieder hoch, wenn sich der Bewohner nähert. All dies mit Hilfe der GPS-Daten vom Smartphone des Verbrauchers. Währenddessen behält das Netbook die Stromkosten im Blick und macht Verbesserungsvorschläge, wie noch effizienter und kostensparender gewirtschaftet werden kann. Und zieht ein Unwetter auf, fahren Markisen und Jalousien automatisch ein.

Den Verbraucher freut‘s: Denn es wird nicht nur sein Portemonnaie geschont, sondern auch der eigene Wohnkomfort gesteigert. Die Immobilieneigentümer und Vermieter profitieren ebenfalls von der zunehmenden Technisierung der Haushalte. Denn der Wohnwert kann durch den Einsatz der sogenannten Smart-Home Systeme gesteigert werden und ihnen so im Rahmen der Immobilienpreisentwicklung höhere Mieteinnahmen bescheren. Nicht zuletzt deshalb prognostizieren aktuelle Studien der Smart Home Technologie ein Wachstum von bis zu 20 Prozent bis zum Jahr 2017.

Smart-Home und Datenschutz

Doch die digitale Technik hat ihre Tücken: Rechtliche und sicherheitstechnische Fragen zu den Themen Datensicherheit und Datenschutz sind weitgehend noch nicht geklärt. Die deutsche Gesetzgebung hat eine Verordnung für den Datenschutz im Bereich der Smart-Home-Systeme noch nicht erlassen und eine entsprechende EU-Richtlinie wird es wahrscheinlich erst 2016 geben. Vor allem geht es um die Frage, was die Daten (Verbräuche, Steuerzeiten, Schließzeiten) über den Verbraucher aussagen und wie solche Daten kommerziell genutzt werden könnten. 2014 kaufte Google den Smart-Home-Technologieanbieter Nest Labs für 3,2 Milliarden Dollar. Dies lässt erahnen, wie interessant diese Daten für die Wirtschaft sind.

Viele Smart-Home Systeme haben Zugang zum W-Lan-Netz des Verbrauchers und sammeln auf diese Weise im großen Umfang Daten, die Rückschlüsse auf dessen Lebensgewohnheiten ziehen lassen. Durch die enge Vernetzung zwischen Smart-Home-Anwendung und Verbraucher erhöht sich auch das Risiko durch Viren und Trojaner, die unbemerkt auf persönliche Daten zugreifen oder ohne Erlaubnis das Nutzerverhalten überwachen.

Vermieter, die moderne Smart-Home-Systeme einbauen lassen, müssen sich nun also mit neuen Fragen beschäftigen: Dürfen sie einem Mieter die Heizung per Fernsteuerung abdrehen, wenn dieser seine Nebenkosten nicht fristgerecht bezahlt? Können Immobilieneigentümer haftbar gemacht werden, wenn ein Hacker in das Smart-Home-System eindringt und auf diese Weise die Alarmanlage ausschaltet, um unbemerkt in die Wohnung einzubrechen?

Mussten Einbrecher früher geübt im Knacken hochwertiger Schlösser sein, sind bei einem Smart-Home die Hackerfähigkeiten gefragt. So kann anhand von Verbrauchswerten die Abwesenheit des Verbrauchers ermittelt werden: Bewohner eines Hauses, in dem seit vier Tagen in den Ferien kein Strom mehr verbraucht wird, dürften im Urlaub sein. Tagelanges Ausspähen erübrigt sich.

Smart-Home: Haftungsfragen für Vermieter

Das Risiko, vom Mieter im Falle eines Datenmissbrauchs zur Rechenschaft gezogen zu werden, ist für Immobilieneigentümer aber überschaubar, solange einige Punkte beachtet werden. Zu allererst sollte schon beim Kauf des Smart-Home-Systems die Entscheidung auf eine sichere Variante fallen. Denn wenn eine Sicherheitslücke im System dazu genutzt wird, einzubrechen, haftet der Eigentümer, da dieser die digitale Technik zur Verfügung gestellt hat. Der Mieter sollte außerdem genau darüber informiert werden, welche Daten das Smart-Home System sammelt. Falls der Vermieter Einfluss auf die Daten hat, muss er den Mieter schützen und darf selbst nur bei einem begründeten Interesse auf die Daten zugreifen.

Um sich bei Haftungsfragen zusätzlich abzusichern, sollten Immobilieneigentümer dem Mieter weitgehende Informationen und die Bedienungsanleitung zur Smart-Home Anwendung zur Verfügung stellen. Denn dann kann der Verbraucher im Zweifelsfall selbst entscheiden, ob er zum Beispiel sein Smartphone für die Steuerung der Heizung verwenden möchte oder lieber selbst das Thermostat hochdreht. Solange der Mieter nicht gezwungen ist, die digitale Technologie auch tatsächlich zu nutzen, ist das Risiko für den Eigentümer gering, bei einer Sicherheitslücke tatsächlich zu haften.

Letztlich ist es eine sehr individuelle Entscheidung, ob man der Digitalisierung auch zu den eigenen vier Wänden Zugang gewähren möchte. Noch besteht Wahlfreiheit, da Smart-Home-Technologien noch nicht der Standard sind. Zumindest aber im Bereich der Energiesteuerung ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis jedes Heim zum Smart-Home wird. Bei der Immobilienmodernisierung sollten Nutzer immer im Hinterkopf behalten, dass jedes technologische System angreifbar ist. Wichtig bleibt die Einhaltung einfacher Grundregeln, wie eine sichere Verschlüsselung, der Schutz des W-Lan-Netzes sowie die Verwendung komplexer Passwörter.