Energieausweis

Den Energieausweis richtig lesen: So einfach geht’s!

Der Energieausweis hilft Mietern, Käufern und Bauherren einer Immobilie, ihre Energieeffizienz zu beurteilen. Seit dem 1. Mai 2014 sind Vermieter und Verkäufer schon bei der Besichtigung verpflichtet, diesen unaufgefordert vorzuzeigen. Wer sich nicht daran hält, kann mit einem Bußgeld von bis zu 15 000 Euro rechnen. Doch was sagen die Begriffe, Zahlen, Farben und Buchstaben aus? Wir erklären Ihnen im Folgenden, wie Sie einen Energieausweis richtig lesen.

Der Energieausweis soll eine grobe Orientierung zum Energieverbrauch bei Bestandsimmobilien liefern, woraus sich wiederum Hinweise auf einen möglichen Modernisierungsbedarf ableiten lassen. Hierbei gilt: Je grüner, desto besser.

Die zwei Arten des Energieausweises

Damit Sie den Energieausweis richtig lesen und verstehen können, sollten Sie zunächst unterscheiden, ob es sich um einen Bedarfs- oder Verbrauchsausweis handelt.

Der Verbrauchsausweis fasst die Energiebilanz zusammen. Seine Werte errechnen sich aus dem Energieverbrauch der Bewohner in den zurückliegenden drei Jahren – und werden schlicht anhand der Heizkostenabrechnung ermittelt. Der Eigentümer darf diese Daten selbst erheben, danach errechnet ein Experte anhand der genannten Werte den Energieverbrauch und stellt den Energieausweis aus.

Der Bedarfsausweis ist etwas komplizierter, aber auch valider. Dabei begutachtet ein Fachmann den baulichen Zustand des Hauses sowie der Heizungsanlage und bestimmt daraus den zu erwartenden Energieverbrauch – also nur aufgrund technischer Daten und unabhängig vom Nutzer. Für Ein- bis Vierfamilienhäuser, die vor dem Jahr 1977 gebaut und noch nicht umfassend energetisch saniert wurden, ist diese Version zwingend vorgeschrieben. Ganz genau ist diese Variante natürlich auch nicht. Der theoretische Bedarfswert liegt bei Altbauten oft über dem tatsächlichen Verbrauchswert und bei Neubauten eher darunter.

Den Energieausweis richtig lesen: Eine Anleitung

Sowohl Verbrauchs- als auch Bedarfsausweise gelten zehn Jahre und bestehen immer aus fünf Seiten. Im Folgenden erklären wir Ihnen, was Sie auf den jeweiligen Seiten vorfinden und wie Sie den Energieausweis richtig lesen.

Die erste Seite

Auf der ersten Seite eines Energieausweises finden sich allgemeine Angaben zum Gebäude. Diese sind beispielsweise die Adresse, Anzahl der Wohnungen, das Baujahr und Informationen zu Energieträgern für Heizung und Warmwasser. Bei Energieausweisen, die nach dem Oktober 2009 ausgestellt wurden, sind auf dieser Seite auch Aussagen zur Nutzung erneuerbarer Energien und zum Lüftungskonzept zu finden. Außerdem ist auf der ersten Seite auch vermerkt, welches Verfahren zur Berechnung des Energieausweises herangezogen wurde – also ob es sich um einen Bedarfs- oder um einen Verbrauchsausweis handelt.

Energieausweis richtig lesen: Die zweite und dritte Seite

Auf der zweiten und dritten Seite des Energieausweises ist eine Farbskala zu finden. Diese sagt aus, wie hoch der Energiebedarf bzw. Energieverbrauch des Gebäudes ist. Die Farben erstrecken sich von grün bis rot. Der grüne Bereich gilt für Niedrigenergiehäuser, während ältere und unsanierte Gebäude eher hohe Werte im roten Bereich aufweisen. Außerdem ist die Farbskala mit Zahlen von 0 bis >250 versehen. Das ist der Energieverbrauchskennwert bzw. Energiebedarfskennwert, der in Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr angegeben wird. Verbraucherschützer raten, sich an der Zahl 100 als höchsten Grenzwert zu orientieren.

Alle Ausweise, die nach dem 1. Mai 2014 ausgestellt wurden, sind auf der Farbskala zusätzlich mit den Energieeffizienzklassen von A+ bis H gekennzeichnet. So entspricht die Klasse A einem sehr effizienten Energieverbrauch, während die Klasse H für einen sehr ineffizienten Energieverbrauch spricht. Die Klasse A entspricht außerdem dem neuen EnEV-Niveau für Neubauten ab 2016.

Außerdem sind auf der Farbskala zwei weitere Werte zu finden: Bei einem Bedarfsausweis der Endenergiebedarf und Primärenergiebedarf. Bei einem Verbrauchsausweis der Endenergieverbrauch und der Primärenergieverbrauch.

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Endenergiebedarf und Primärenergiebedarf

  • Endenergiebedarf: ist der zentrale Wert, der auch in Immobilienanzeigen stehen muss. Je kleiner, desto besser. Er zeigt die Energiemenge für Heizung, Warmwasserbereitung und Lüftung an, die das Gebäude jährlich braucht. In die Berechnung fließen auch Daten wie Wandstärke, Dämmung oder Wetterbedingungen mit ein.
  • Primärenergiebedarf: zeigt auf, wie viel Energie aufgewendet werden muss, um eine bestimmte Menge an Wärmeenergie im Gebäude zu erzeugen. Dieser Primärbedarf ergibt sich aus der Multiplikation des Endenergiebedarfs mit Primärenergiefaktoren wie Strom (1,8), Öl (1,1), Holz (0,2) oder Sonnenenergie (0).

Endenergieverbrauch und Primärenergieverbrauch

  • Endenergieverbrauch: ist auch hier der Wert, der in den Inseraten aufgeführt wird. Beim Verbrauchsausweis jedoch gibt er an, wie viel Energie in den vergangenen drei Jahren pro Quadratmeter im Schnitt benötigt wurde, um den Wohnraum zu beheizen. Der Wert beruht also auf bisherigen Verbräuchen und hängt stark vom Verhalten der Bewohner ab.
  • Primärenergieverbrauch: wie beim Bedarfsausweis wird der Energieverbrauch je nach Energieträger mit einem bestimmten Faktor multipliziert. Ein dabei bevorzugter Träger wie Holz (Faktor 0,2) kann also einen relativ kleinen Primärenergieverbrauchswert erzeugen – obwohl bei schlecht sanierten Gebäuden der tatsächliche Verbrauch und damit die Kosten für Mieter sehr hoch liegen.

Vergleich der Energieausweise

Beachten Sie, dass Sie die ermittelten Resultate beider Energieausweisarten nicht miteinander gleichsetzen können. Denn die Kennwerte des Verbrauchsausweises ist für eine vergleichbare Immobilie durchschnittlich etwa 25 Prozent niedriger als bei einem Bedarfsausweis. Deshalb sollten Sie bedenken, dass Sie Bauten mit einem Verbrauchsausweise eine Kategorie schlechter und Gebäude mit Bedarfsausweis eine Klasse besser einstufen.

Die zu erwartenden Heizkosten mit dem Verbrauchsausweis berechnen

Liegt Ihnen ein Verbrauchsausweis vor, können Sie anhand der Angaben die zu erwartenden Heizkosten ermitteln. Hierbei multiplizieren Sie die Wohnfläche mit dem Faktor 1,2. Diese Regelung ist vom Gesetzgeber bewusst empfohlen, um Verkehrsflächen wie Kellerräume und Ähnliches einzubeziehen. Diesen Wert multiplizieren Sie anschließend mit dem Energieverbrauchswert des Energieausweises. Derartige Empfehlungen sind allerdings nur grobe Anhaltspunkte. Denn der Verbrauchsausweis bezieht sich jeweils auf das komplette Gebäude und nicht auf einzelne Wohneinheiten. Beim Bedarfsausweis ist eine derartige vergleichbare Rechnung nicht möglich.

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