In Deutschland gibt es jährlich gut 100.000 Erbfälle, in denen Erbschaftssteuer zu zahlen ist. Erfahren Sie hier alles über die Höhe der Erbaschaftssteuer, Freibeträge, Steuerklassen und Steuersätze.

Höhe der Erbschaftssteuer

Wenn Sie Vermögen erben, besteht gegenüber dem Finanzamt grundsätzlich eine Erbschaftssteuer-Pflicht. Durch Freibetrags-Regelungen ist allerdings effektiv vielfach keine Erbschaftssteuer an das Finanzamt zu zahlen. Das deutsche Erbschaftssteuergesetz verfährt nach dem Prinzip:

Je näher das Verwandtschaftsverhältnis bzw. die Beziehung zum Erblasser ist, desto höher der Freibetrag und desto geringer die Steuerlast.

Die höchsten Begünstigungen erhalten danach Ehegatten und Kinder des Verstorbenen, die geringsten Personen ohne Verwandtschaftsverhältnis, wie erbende Freunde, Bekannte usw.

Freibeträge bei der Erbschaftssteuer

Freibeträge nach ErbStG § 16
Stand 2020

SteuerklasseVerwandschaftsgradFreibetrag
IEhepartner500.000 €
Ileibliche Kinder; Stief- und Adoptivkinder; Enkel, deren Eltern bereits verstorben sind400.000 €
IEnkel200.000 €
IEltern, Großeltern100.000 €
IIGeschwister, Nichten, Neffen, Stiefeltern, Schwiegerkinder20.000 €
IIInicht verwandte Personen20.000 €

Steuerklassen im Überblick

Steuerklasse I
Personen mit dem "engsten" Verhältnis zum Verstorbenen wie Ehegatte, Kinder, Eltern

Steuerklasse II
Geschwister, blutsverwandte Neffen und Nichten

Steuerklasse III
nichtverwandte Personen

Je höher das steuerpflichtige Vermögen ist, desto höher sind die anzuwendenden Steuersätze. Die Steuersätze sind 2010 neu festgelegt worden.

Steuersätze beim Erbe

Steuersätze nach ErbStG § 19
Stand 2020

ErbsummeSteuerklasse ISteuerklasse IISteuerklasse III
75.0007%15%30%
300.00011%20%30%
600.00015%25%30%
6.000.00019%30%30%
13.000.00023%35%50%
26.000.00027%40%50%
über 26.000.00030%43%50%

Ob und wie viel Erbschaftssteuer an das Finanzamt zu zahlen ist, soll ein Beispiel verdeutlichen. Angenommen sei ein vererbtes Vermögen von 500.000 Euro. Danach ergibt sich folgende Erbschaftsteuer

  • beim eigenen Kind als Erben: 11.000 Euro (400.000 Euro Freibetrag, steuerpflichtiger Erwerb 100.000 Euro, Steuerklasse I 11 %);
  • bei einem erbenden Bruder: 120.000 Euro (20.000 Euro Freibetrag, steuerpflichtiger Erwerb 480.000 Euro, Steuerklasse II 25 %);
  • bei einem erbenden Freund: 144.000 Euro (20.000 Euro Freibetrag, steuerpflichtiger Erwerb 480.000 Euro, Steuerklasse III 30 %).

Freibeträge bei Schenkung

Bei Schenkungen von Vermögen finden übrigens die gleichen Freibetrags-Regelungen und ein ähnliches Besteuerungs-Prinzip Anwendung. Die Steuerklassen-Einstufung ist bei der Schenkungssteuer allerdings nicht ganz deckungsgleich mit der bei der Erbschaftssteuer.

Erbschaftssteuer bei Haus und Wohnung

Erben Sie ein Haus oder eine Wohnung, gelten einige Sonderregelungen, die die Erbschaftsteuer-Belastung tendenziell reduzieren:

1. Bei vererbte Mietimmobilien
werden nur zu 90% ihres Wertes berücksichtigt. Es wird also ein pauschaler steuerlicher Bewertungsabschlag von 10 % im Vergleich zu Mietobjekten am "freien Markt" vorgenommen.
2. Bei selbstbewohnten Immobilien
kann die Erbschaft unter bestimmten Bedingungen ganz steuerfrei bleiben.

Nur wenn alle Bedingungen erfüllt sind, tritt allerdings Steuerfreiheit ein:

  • Das Haus oder die Wohnung muss vom Verstorbenen bis zum Eintritt des Erbfalls selbst genutzt worden sein.
  • Erben der Immobilie sind der Ehepartner bzw. ein eingetragener Lebenspartner oder ein Kind des Verstorbenen.
  • Die Erben wohnen unmittelbar nach Eintritt des Erbfalls mindestens zehn Jahre lang weiter in der Immobilie. Wird die Zehn-Jahres-Frist nicht eingehalten, droht nachträgliche Besteuerung
  • Die Wohnfläche des Hauses oder der Wohnung darf nicht mehr als 200 Quadratmeter betragen. Ist sie größer, besteht für den übersteigenden Flächenanteil Steuerpflicht.

Immobilienbewertung zur Berechnung Erbschaftssteuer

Entscheidend bei der Berechnung der Erbschaftssteuer ist der sogenannte "Verkehrswert" der Immobilie zum Zeitpunkt des Erbfalls. Der Verkehrswert ist der Wert, der im gewöhnlichen Geschäftsverkehr nach Lage, Eigenschaften und Beschaffenheit für das Objekt oder Grundstück anzusetzen wäre - umgangssprachlich ausgedrückt ist der Marktwert gemeint.

Für die Ermittlung des Verkehrswertes für Erbschaftssteuer-Zwecke ist sehr oft ein Sachverständigen-Gutachten erforderlich. Der Gutachter ermittelt den Verkehrswert nach amtlich anerkannten Verfahren. Die Methodik ist im Einzelnen in der Immobilien-Wertermittlungsverordnung (ImmoWertV) festgelegt. Die ImmoWertV kennt drei Verfahren:

Vergleichswertverfahren
Ertragswertverfahren
Sachwertverfahren

Wertermittlungs-Gutachten sind nicht billig. Die Kosten hängen vom Verkehrswert ab. Bei einem Wert von 400.000 Euro kann sich das auf etwa 1.500 bis 2.000 Euro belaufen, im Einzelfall auch mehr.

Tipp: Die Kosten für ein Wertermittlungs-Gutachten sind als Erbnebenkosten steuerlich absetzbar und reduzieren so die Erbschaftsteuer.

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Der Verkauf einer geerbten Immobilie bedeutet vielfach eine zusätzliche Last, die zur Trauer und den vielfältigen Aufgaben der Nachlassregelung noch hinzukommt. Es ist gut, dann einen kompetenten Makler zu beauftragen, der sensibel mit der Situation umzugehen weiß, Ihnen Tipps zur Haushaltsauflösung gibt und Arbeit beim Immobilienverkauf abnimmt.

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FAQ

Wann wird die Erbschaftssteuer fällig?

Bei Vererbung von Geld oder Sachwerten besteht immer eine Steuerpflicht. Oft werden allerdings keine oder nur geringe Steuerzahlungen fällig, da es in Deutschland großzügige Freibetrags-Regelungen gibt.

Wie hoch ist die Erbschaftssteuer?

Bei der Berechnung der Höhe der Erbschaftssteuer werden verschiedene Faktoren mit einbezogen. Neben Freibeträgen und der Höhe des Erbes zählt der Verwandtschaftsgrad und die Beziehung zum Verstorbenen eine Rolle.

Wie hoch ist die Erbschaftssteuer für Immobilien?

Durch Sonderregelungen verringert sich die Höhe der Erbschaftssteuer für Immobilien. Es spielt eine Rolle, ob der Erbe die Immobilie selbst bewohnt und wie lange schon.